Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Das fünfte Element

Um eine „Elementegenese“ zu beginnen, eine scheinbar chronologische Reihenfolge der Elementarkräfte sich behelfsweise vorzustellen, um das Webwerk der Natur ein wenig besser zu verstehen, würde sich das Wasserelement gut eignen, da aus diesem, wie es heißt, alles Stoffliche geboren wird. Wir wollen aber in unseren Ausführungen das Wasser an den Schluß setzen, ist doch unser Begreifen dem Feurig-Erdhaften eher zugeneigt, während das Mondenhafte unserem Verstand gerne den Rücken kehrt. So wollen wir dort beginnen, wo auch das Herz als „Sitz des Intellekts“ herausgebildet wird und damit, soweit dies möglich ist, unserem gewohntem „Denken“ entsprechen.
Die „große (oder elementare) Polarität“ Feuer-Erde ist bedingt durch das „Raumgeschehen“, das Bewegungspotential im Ätherelement. Je nachdem wie die „obere Schleife der Acht“ beschaffen ist, wo sie hineinreicht, was sie begrenzt, so ist die „große Polarität“ in der unteren Schleife gestaltet. Das „Einströmen der Idee“ aus den makrokosmischen Ebenen, die sich schließlich in den „natürlichen Dingen“ ausdrückt, geschieht durch den „Schnittpunkt der Acht“. Dort hinein wollen wir unseren Anfang setzen, das unermeßliche Wesen des „fünften Elements“ in seinen Grundzügen andeuten und beschreiben, um dann, nach der Durchsicht der „Elementegenese“, uns von der anderen Seite wieder diesem Punkt zu nähern.

Im Körper wirkt „Äther“ vor allem im Kopf, seitlich an den Schläfen, dann die ganze Körperseite entlang, links und rechts, gewissermaßen seine laterale Raumfülle anzeigend. Er wirkt in der Durchgängigkeit der Gallenwege, im Hohlorgan der Gallenblase, nicht aber direkt in der Gallenflüssigkeit, die dann zu seinen „feurigen Äußerungen“ zählt und eher dem Martialen und Erdhaften zugeordnet wird. Besonders herrscht das Ätherelement vor in Wesen und Funktion der Leber.
Dieses Organ ist ein „Kind des Wassers“ und zeigt auch deutlich dessen Signaturen. Feucht und schwammig, wird sie von mehr Körperflüssigkeiten durchströmt als jedes andere Organ. Zu rotem Blut, blauem Blut und der Lymphe kommen in der Leber noch Pfortaderblut und Galle hinzu. Sie speichert das Blut und reguliert die Blutmenge, welche vom Herzen in den Kreislauf gelangt. Während der Schlafenszeit kehrt das Blut zur Leber zurück, so als ob die Nacht jede feurige Äußerung wieder einzieht. Hier verbindet sich das, was schon in den Individualisierungsprozeß hineingesandt wurde, wieder mit dem wäßrigen Urgrund und wird dort mit neuer Energie aufgeladen, um sich während der täglichen Bewegung wieder im Körper zu verteilen.

Entsprechend der Situation im „Schnittpunkt der Acht“ ist in der Leberwirksamkeit das „von außen nach innen“ und das „von innen nach außen“ besonders deutlich. Die „von außen“ eingenommene Nahrung wird nach ihrer Verarbeitung im Darm in der Leber weiter behandelt und schließlich als Glykogen abgelagert. In umgekehrter Wirkrichtung gelangt die aus dem Abbau des Blutes entstandene Gallenflüssigkeit über die Gallenblase in den Darm, um dort Fette zu verdauen. Die erste Wirksamkeit erreicht ihren Höhepunkt in der Nacht, wobei durch die Glykogenablagerung auch die Lebersubstanz vermehrt wird. Der Abbau, welcher zur Bildung der Gallenflüssigkeit führt, ist tagsüber am stärksten.
Die alten Griechen zogen zur Vertiefung dieser Thematik das Bild des Prometheus heran. Dieser Titanensohn hatte das Feuer aus dem Himmel gestohlen und auf die Erde gebracht. Deswegen wurde er von Zeus/Jupiter an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet. Dort fraß ihm ein Adler jeden Tag seine Leber, die aber nachts immer wieder nachwuchs. Herakles befreite schließlich den Prometheus („den vorher Überlegenden“) und tötete den Adler.
Die Leber hat auffallend große Regenerationskraft, ist besonders vielschichtig beeindruckbar und hängt unmittelbar mit dem Durstgefühl zusammen. Sie ist das Hauptstoffwechselorgan, in dem sich unzählige stoffliche Verwandlungen vollziehen – ein wesentliches Kriterium des „mondenhaften Wassers“, welches sein Wesen durch diese Eigenschaft des Verwandelns ins Ätherische hinaus öffnet, mit dem Feuer korrespondiert und schließlich den Grund zur Bildung des Erdelements liefert. Ihr Charakter vereint solare Erdbeziehung und joviale Stabilität mit dem höchst merkurialen wäßrig Auflösenden. Sie wird der Planetenkraft des Jupiter (skr: Bhrihaspati) zugeordnet, dem jungen, ständig sich erneuernden Planetenkönig, der in den asiatischen Traditionen als ein „Himmelswanderer namens Holzstern“ bezeichnet wird.
Ebendort heißt es auch, daß die Leber „Plan und Richtung“ unseres Daseins beeinflußt. Den Leber-Galleprozessen liegt unsere Willenskraft, sowie die Entscheidungs- und Konzeptionsfähigkeit zugrunde.
So wie durch den Äther ständig neue Bilder und Ideen von jenseits der Physis in den Elementekreis einströmen, um über das aktive, konzentrierende Prinzip des Feuerelements sich schließlich stofflich zu manifestieren, genauso werden unsere geistigen Vorstellungen durch die Leber – über den Zuckerprozeß – in Muskeltätigkeit, in körperliche Aktivität umgesetzt, welche dann die Gestaltung der Physis bewirkt. Wird ein Muskel zu sehr beansprucht, dann dringt diese ätherische Willenskraft zu stark, zu „feurig“ ins grobstoffliche Erdelement hinein, der Muskel wird „sauer“, es kommt zum Muskelkater.
Die Anwesenheit des „Sauren“ weist auf die dem Ätherelement innewohnende, dieses „zusammenhaltende“ Kraft hin, welche die Weite des Raumes durch die Eigenart der Zusammenziehung im Elementaren festhält. Als solches ist der saure oder zusammenziehende Geschmack nichts anderes als die sinnlich erfahrbare Äußerung des zuvor schon erwähnten „latenten Saturns“. Zieht diese Kraft zu stark zusammen, so daß die Ideen und Bilder des feinstofflichen Kosmos nicht durch den Äther hindurch in die Physis hineingeleitet werden können – der „Schnittpunkt der Acht“ sich gleichsam im einem Würgegriff befindet – dann folgen Spannung, Stau und Krampf, man wird „sauer“, ärgerlich oder depressiv. Es heißt: die Leber ist zuständig für den geschmeidigen Fluß der Dinge.
In der majestätischen Position des Jupiter liegt sie zuoberst über der Stoffwechselregion. Jupiter ist der König des Elementesterns. Ihm werden die Attribute großzügig, stark, wohlwollend und ausgeglichen zugeschrieben. Im Körper und in der Pflanzenwelt werden seine Signaturen danach erkannt.

Um die besondere Durchgangsposition zwischen dem Feinstofflichen und dem Grobstofflichen, welche das Ätherelement inne hat, auszudrücken, wird es symbolisiert durch eine Acht oder durch einen Stern aus drei Strichen. Die Griechen ( ... )

Stern

Das eigentliche „Ätherelement“ – der „Sitz Jupiters“ – befindet sich im Schnittpunkt der Symbole (Stern oder Acht). Es durchdringt darüberhinaus als Raumprinzip jeden feinsten Punkt der physischen Natur (deren Elemente in der unteren Schleife beziehungsweise im unteren Teil des Sterns vorstellbar sind) und öffnet sich in die unendlichen Weiten (des oberen Teils), korrespondierend mit den drei feinstofflichen Elementen. Je subtiler die Ebenen werden, desto mächtiger entfaltet sich das Raumprinzip – es saugt gewissermaßen die vier grobstofflichen Elemente (Erde, Feuer, Wasser, Luft) immer mehr in sich hinein, bis diese dann weit jenseits des „Schnittpunktes“ in ihren Ursprungs-Elementen aufgehen. Diese Höhen aber sind hier nicht unser Thema, und wir wollen bei unserer bescheidenen Naturkunde bleiben.
Es ist mit dem Äther auch das stets anwesende Potential der Bewegung selbst gemeint, jener Bewegung, die zur Aktion, zur feurigen Dynamik wird, wenn sie sich im Raum erhebt, sich zentriert (Sonne), ausrichtet (Mars), verdichtet (Saturn), zerstreut (Merkur) und schließlich in die Potentialität zurückkehrt – immer noch dem Begriff „Merkur“ nahestehend, jenem geheimnisvollen „Dreifachen“, welcher jede Phase des Elementereigens bewegend begleitet.

Weiters stellt man sich im (obigen) Elementsymbol links oben den Mondenäther vor, der den „Naturgeist“ und die „essentielle Grundlage der Substanz“ aus dem „tiefen“ Wasserelement empfängt. In diesem „Yin-Äther“ wird der Elementekreis sozusagen ausgesaugt, alles Differenzierte, Individualisierte, Strukturierte aufgelöst. Es ist der „Klangäther“, welcher der Physis ihr Subtiles und Geistiges entzieht und dessen Scheidung vom Stofflichen bewirkt. Hier werden die zusammengesetzten Dinge aus ihrer Bindung entlassen und jeder Teil frei, sich mit den Dingen und Zuständen seiner Art rückzuverbinden.
Rechts oben stellt man sich den Sonnenäther vor, als ersten „Ausdruck“ des Raumhaften in der Physis. Es ist der „Yang-Äther“, durch den die feinstofflichen Kräfte des Makrokosmos, die Bilder und Ideen wie durch ein Brennglas in jeden „neuen“ Reigen der Elemente eindringen. Es ist der „Lichtäther“, durch welchen physisch elementares Geschehen sinnlich wahrnehmbar wird.
Nach „oben“ hin öffnet sich der „hohe Äther“ in den feinstofflichen Raum, als Bindeglied zwischen der Physis der fünf Elemente und dem eigentlich Feinstofflichen. Er öffnet sich zuerst in die sogenannte „Spiegelsphäre“, wo das physische Geschehen auf eigene Art widerhallt und sich einprägt (skr: Akash), so als würde es von einer Hülle des physischen Kosmos abprallen und diese dabei beeindrucken. Jenseits dieser Hülle beginnen die astralen Ebenen in einem unvorstellbar mächtigeren Größen- und Intensitätsverhältnis zum physischen Kosmos, deren „Berührung“ von den „gutmütigen Kundigen“ stets gemieden und ihre Sphären für illusionäres Blendwerk gehalten wurden. Hier sagt Paracelsus, daß sich zwischen Mikro- und Makrokosmos eine Haut befinde, die der Mensch nicht zerreißen darf.

Es werden die Begriffe Mikro- und Makrokosmos oft in verschiedener Weise angewendet, so etwa um das Verhältnis der Zelle zum Körper, dieses zu seiner Umwelt, der Erde zum Kosmos der Planeten, des Menschen zu den Planetensphären, dieser beider zum Zodiak, also des gesamten Planetenkosmos zum stellaren Universum, dessen zum höheren Feinstofflichen oder eben einfach das Verhältnis einer Daseinsebene zur anderen auszudrücken.

Von der oberen Schleife der Acht aus gesehen, werden die Bilder und Kräfte des „großen Universums“, des „großen Makrokosmos“ auf ihrem Weg zur physischen Manifestation bis zur ätherischen Elementarität verdichtet, wobei die „Felder“ des Tierkreises und der Planeten ihre „Transformatorstationen“ sind. Durch den „Schnittpunkt der Acht“ formt sich dann die Idee in die „äußere“, grobstoffliche Welt der fünf Elemente hinein.
Dieser Gedanke ist der Grund der „Signatur“. Er bedeutet, daß nichts „ist“ ohne die Zeichen seiner Idee, weil alles eben nur ein relativ kurzfristiger Ausdruck einer Idee ist. Dieser „Kurzfristigkeit“, dieser „Momentanität“ in der saturnischen Zeit begegnet aber die lebendige Natur mit der „Wiederholung“.

Aus dem Äther kommt die „Tugend“ der Dinge hervor (virtus naturae), ihre Idee, ihr Sinn, ihre erste Quintessenz. Genauer betrachtet, vermischt sich hier die Idee und „Tugend“ mit der Quintessenz. Ohne die Quintessenz wäre jedes Ding nur eine Zusammensetzung der Complexionen: heiß und kalt, trocken und feucht, vom Stoff der vier Elemente, Erde, Wasser, Feuer, Luft getragen, ein Ungleichgewicht zwischen den Polen. Solches bleibt jedoch eine rein theoretische Vorstellung, gäbe es doch keine Vier, wenn sie nicht vom Fünften durchdrungen wären. „Quintessenz“ bezeichnet auch die vier Elemente in ihrem Urzustand, eben im „fünften Wesen“, aber auch jenes ätherische Bild, das nun in der Physis anwesend ist, als eine wesentliche Vereinigung des Subtilen mit dem Fixen.
Die Quintessenz ist der allem innewohnende typische, spezifische Lebensimpuls. Sie ist der Grund und die Ursache von Eigenschaft und Wirkung, die „Nützlichkeit“, welche das Sein der Dinge rechtfertigt.
Dieses Eintauchen der Quintessenz in den Prozeß der Materialisation – das Einströmen der Idee – stellen wir uns im Bild der Elementegenese zur rechten Seite hin vor, aus dem „Schnittpunkt der Acht“, als initialen „Sonnenfunken“, als „essentielle Strahlung“ ohne Schwere und Form aus dem Sonnenäther heraustretend. Deshalb heißt es: Es soll der Grund der Dinge im Lichte der Natur erkannt werden. Das bedeutet „ihre kosmische oder göttliche Idee zu erfassen“. Die letztendlich stoffliche Ausdrucksform gleicht dem Spiegelbild des „Grundes“.

Links, im Mondenäther, löst sich der Kreis der stofflichen Elemente aus der Schwere der Erdhaftung. Das elementar-physische Geschehen erreicht seine äußerste Grenze, den „Schnittpunkt der Acht“. Zuvor (in der Position des Mon-des) scheidet sich wieder die Quintessenz, soweit sie noch vorhanden ist, vom Körper, und mit ihr scheiden sich auch die anderen groben und subtilen, schweren und leichten Teile der „Dinge“. Dieser Prozeß beginnt bereits im „oberen“ Wasserelement. Es heißt: Alles wird zu Wasser. Nicht daß hier alles flüssig würde, sondern eben daß sich die „Dinge und Zustände“ auflösen. Das entspricht dem Winter im Jahreslauf. Das stoffgebundene Leben hat sich gelöst von der verwesenden Substanz, treibt in den Mondenäther hinaus, Form und Individualität verschwindet. Ein persischer Dichter beschreibt den Zustand der Pflanzen in dieser Phase mit den Worten: „Es flieht die Rose vor dem Winter aus dem Garten.“ Zu der Zeit, wenn der Mond das Erdhafte dominiert und dieses sich auf sein saturnisches Wesen reduziert, entflieht das Geistig-Subtile dem Elementekreis. Es hinterläßt dabei das salhaft Schwere, genauso wie bei der Verwesung eine „Asche“ übrigbleibt. Es nimmt aber das Salhaft-Leichte mit sich, soweit dieses dem Subtil-Beweglichem nahesteht. Und damit wäre das Thema der Quintessenz in seinem Inneren berührt. Davon wollen wir hier noch ein Stück betrachten und dann später noch weiter in seine Tiefe dringen. ( ... )

( ... ) Doch zurück vom makrokosmischen Geschehen zum Mikrokosmos des Menschen, wo die „Wanderseele Hun“ im Organ der Leber „wohnt“ und unter anderem dazu beiträgt, das Potential an Dynamik und Ausdruck zu bilden, welches in der neuen Inkarnation zur Verfügung steht. Dieser Umstand findet heute noch in der asiatischen Heilkunst die gebührende Beachtung und gehört dort etwa zum grundlegenden Rüstzeug der Akupunktur.

Jenes Hun, welches also gewissermaßen elixirhaft über die Schwelle des Todes in die neue Geburt geht, wird in den asiatischen Lehren dann weiters auch als Pesh-Hun bezeichnet. Es ist das (oder „der“) Narada der Veden und entspricht zutiefst dem, was die Alchymie im eigentlichen Sinne unter Hermes oder Merkur versteht. Es heißt: Narada ist hier, dort und überall. Es werden aber in keinem Text seine wahren Eigenschaften erklärt. Im >Matsya Purana< ist er ein Sohn des Brahma, im >Vishnu Purana< ein Sohn des Kashyapa und der Tochter des Daksha. Er wird auf einer Wolke sitzend dargestellt, gleichsam unsichtbar, und man denkt dabei an die mondenhafte Signatur einer Wolke, schwebend zwischen dem wäßrig-erdhaften und dem ätherischen Zustand. Hier wird offenbar insgesamt der Zweck des Äthers als „Raum“ angedeutet – eben um „Platz zu haben“ für Ereignis und Geschehen, und auch, um eine Position in der Unendlichkeit zu markieren – den „Schnittpunkt der Acht“, aus dem heraus dann physische Manifestation stattfindet.

Der Ausdruck Pesh-Hun bedeutet soviel wie „der Gesandte“. Ihm entspricht das griechische Angelos, und wir erinnern uns der Darstellungen des Hermes/Merkur als „geflügelten Götterboten“. H. P. Blavatsky bezeichnet ihn als eine Art „tätigen und sich stets inkarnierenden Logos“, welcher alle Angelegenheiten begleitet, den Anstoß zu allen Zyklen und Ereignissen gibt und deren „Schwung“ regelt. Er gehört zu den wenigen in den alten Texten erwähnten besonderen Wesen oder Kräften, welche alle Regionen aufzusuchen imstande sind, selbst die „untersten“ (skr: Patala), und wird dadurch zum idealen Gesellen König Jupiters, dem seine majestätische Haltung solche Bewegung verbietet.

Anders ausgedrückt: wenn wir sagen „Äther ist Bewegung selbst“, dann ist er auch das, was sich ausschließlich aus jenem „höchst Merkurialen“ bildet. Wieder fällt hier die bereits erwähnte Austauschbarkeit der beiden äußeren platonischen Körper (Merkur-Ikosaeder und Äther-Dodekaeder) auf. Man denke in diesem Zusammenhang auch an die besondere Verbindung von Luft- und Ätherelement zum „Wind“ (skr: Vata, Vayu) oder an das ko der taoistischen Tradition, die kontrollierende und damit in gewisser Weise dominierende Position des Luftelements zum Äther. Dazu heißt es: „Metall kontrolliert Holz“.

( ... )

Wiederum ist es so, daß keine elementare Phase für sich alleine, sondern stets im Zusammenhang mit den anderen Kräften betrachtet werden muß. Das „Einfließen“ aus dem Ätherischen stellen wir uns in der pentagrammatischen Darstellung der Elementegenese nach der rechten Seite hin vor: als den solaren, hervor-bringenden Äther und in gewisser Weise auch schon als „joviales Feuer“. Hier beginnt sich das feinstoffliche Bild zu verdichten, wird dann zum eigentlichen Feuerelement, zu Strahlung und Aktivität, dann schließlich zum fixen Erdhaften, und aus diesem heraus vermittelst des Luftelements schließlich zu Gestalt und Erscheinungsform.

Das fünfte Element gleicht einer Sammellinse, durch welche die kosmischen Bilder und Kräfte in die Physis der vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft hineinprojiziert werden. Das „Bild“ wird in den höheren Ebenen geboren, zum Teil in den Planetensphären transformiert und offenbart sich schließlich in den Signaturen der Körper. Mit diesem „Einschreiben“ tritt auch die „Idee des Bildes“ (als ein Aspekt der Quintessenz) in die Physis ein, ohne daß sie dabei eine direkte, planetare Transformation durchmacht. Dies entspricht zugleich dem „Hervorbrechen Sonnenfunkens“ aus dem Äther.

Quintessenz

Durch das Ätherelement fließt die Quintessenz in die natürlichen Dinge, deren Ausdrucksweise von jenen Planetenkräften signiert ist, denen sie sich „anhängt“. Damit wird auch das jeweils dominierende Element von ihr bestimmt. Das im vorigen Vergleich erwähnte „Notizbuch“ kann immer nur von dem ihm entsprechenden „Wesensfeld“ aufgelesen und in die physische Verkörperung mit hineingenommen werden. Die „Idee zur Wasserpflanze“ würde wohl kaum mit dominierend martialen Kräften inkarnieren, die „Idee zum Menschenkörper“ keine Konstellation von Planetenkräften mit sich ziehen, die zur letztendlichen Generierung eines Fisches nötig wären. Deshalb kann aus den Planetensignaturen sowohl die Idee des „Dinges“, als auch das Verhältnis der Elementarkräfte darin erkannt werden.

Paracelsus führt als Beispiel die Seerose an, eine besonders von der Mondenkraft geprägte Pflanze. Ihre Dominanz ist das Wasserelement. Wenn auch die anderen Elemente in ihr enthalten sind, so ist eben deren Existenz wieder nur aus dem Wasser. Würde man dieses wegnehmen, dann hörten die anderen auf zu wirken. Die Praedestination des Wassers aber geschieht aus dem fünften Element heraus. ( ... )

Bevor wir uns nun den Signaturen Jupiters im besonderen und denen des Ätherelements im allgemeinen widmen, erinnern wir uns noch einmal des zuvor erwähnten „sauren Geschmacks“. Dieser Geschmack oder Geruch ist eine physische Wahrnehmung jener zusammenziehenden Kraft, die im Äther vorherrscht, um diesen im Elementereigen „festzuhalten“. Er signiert eine kühlende Wirkung auf die Säfte und Systeme des Körpers, da keine direkte Wärme im Äther ist. Überdies wird er aber durch seine therapeutische Anwendung, etwa in Form saurer Mittel (Essig, Ampfer, Shisandra, Amlaki) sekundär die Feuerprozesse verstärkt hervorbringen (das ios aktivieren, wovon wir später noch hören werden), was sich unter anderem in „Belebung“ oder in vermehrter Fröhlichkeit ausdrücken kann. Ein Übermaß des Sauren aber führt zur „Übersäuerung“, fördert Entzündung und Spannung oder ruft gar Ärger und Zorn hervor. Der Gedanke liegt nahe, daß die weit verbreitete „Übersäuerung“ aufgrund unreflektierter Ernährungsgewohnheiten und mentaler Disharmonien mit der Bereitschaft zur Aggression einhergeht. All diese Phänomene, ob sie sich fördernd oder zerstörerisch auswirken, rühren vom Zustand des Ätherelements, vom Urgrund der Bewegung, her und sind durch die Kontrollposition des Luftelements (als erster elementarer Ausdruck des Merkurialen und somit des Beweglichen) zum Äther bedingt. Jene „kontrollierende“ Kraft, die sich im Äther durch die „saure“ Signatur zu erkennen gibt, ist ein Einwirken des Luftelements auf diesen. Eine ähnliche Situation herrscht in allen Elementen vor. Da, wo wir sinnlich die Signatur eines Geschmacks, zum Teil auch eines Geruchs erfahren können, wirkt das zweitvordere Element – bildlich gesprochen die „Großmutter“ – kontrollierend auf den „Enkel“. Daraus ergibt sich das „Gerüst“ des Elementesterns in Form des Pentagramms. Es heißt: Feuer kontrolliert Luft, Wasser Feuer, Erde Wasser und der Äther kontrolliert die Erde.
Das Luftelement steht in „Kontrollposition“ zum Äther. Auf das Organ der Leber bezogen bedeutet dies, daß hier eine besonders starke Beziehung zum „inneren“ und zum „äußeren Wind“ besteht. Das Organ des Luftelements (die Lunge) kontrolliert die Meridiane und Blutgefäße und reguliert die Wasserwege. Jene Qualität des „geschmeidigen Flusses“, den die Leber gewähren soll, ist also im Luftelement begründet. Es heißt auch: Die Lunge beherbergt die „Körperseele“, den grobstofflichsten Anteil des Geistes. So wird das Luftelement zum Grund des Hun.

Diese Dinge sind wichtig, um die Signaturenschau nicht so anzugehen, daß man sagt: „Dies schmeckt sauer, deshalb ist es ätherisch“ oder „Das ist scharf (eine Qualität des Luftelements, besonders des Geschmacks, aber auch anderer Phänomene), und deswegen ist es Luft“. Sondern man muß sagen: „Diese oder jene Kraft kommt von dort und da her und äußert sich in solcher Weise im entsprechenden Element“. So wird das Zusammenspiel der Kräfte in den „natürlichen Dingen“ betrachtet und es wird verständlich, warum die „Alten“ zum Beispiel viele sonnenhafte Dinge dem Jupiter zuordnen, wo diese doch vorrangig Feuer-Signatur zeigen (wie etwa den Granat, das Schöllkraut oder den Feuerdorn). Oft mag es sein, daß wir eine Pflanze als typisch von der Sonne oder gar vom Mars signiert erkennen, bei genauerer Betrachtung aber entdecken, daß hier solche Feuer-Kräfte wirken, die besonders das Luftelement veranlassen, die Qualitäten des Äthers zu verbessern und daß deshalb diese Pflanze genauso als „jovial“ beschrieben werden kann.
So wie die Betrachtungsweise des „Hervorbringungszyklus“ durch das Fünfeck veranschaulicht wird, reiht der „Kontrollzyklus“ die Elemente im Pentagramm.

Kontrollzyklus

Der Äther gibt dem „Ereignis“ Raum, wodurch die „große Polarität“ physisch in Erscheinung tritt. Diese Qualität des Äthers gründet aber wiederum in der physischen Erscheinung der „großen Polarität“. Man wird keinen Punkt, keinen Augenblick im Elementereigen finden, von dem man nicht sagen könnte: „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz“. Will man sich auf die Suche nach einem Anfang eines elementaren Verhaltens begeben und versucht es auf dem der Elementegenese gegenläufigen „Erschöpfungszyklus“, dann kommt man genausowenig an einem fixen Ur-Punkt an, wie wenn man dem Kontrollzyklus entgegen im „Überwindungszyklus“ sucht. Alle diesbezügliche Ergebnisse können nur Teilergebnisse sein. Wenngleich solche auch für den therapeutischen Ansatz nützlich und notwendig sind, so machen sie doch deutlich, daß der gesamte Elementereigen einen „bloßen“ Ausdruck der Polarität an sich, und damit gewissermaßen eine „unendliche Illusion“ darstellt. Wohl aus diesem Begreifen heraus entsprangen die großen Themen der Alchymie: die Frage nach der Prima Materia, dem „philosophischen Merkur“ und dem Wesen des Elixirs.

Die kundigen Alchymisten heben gelegentlich ihre Substanz-Bezeichnungen betont aus der üblichen Bedeutung heraus – einerseits zur Chiffrierung, andererseits aber wohl auch mit der Absicht, dem zwingenden Reigen ein Schnippchen zu schlagen. Wenn sie etwa in einem entsprechenden Zusammenhang „Blei“ oder „Saturn“ schreiben, dann ginge jeder in die Irre, welcher tatsächlich jenes Metall benützen würde, denn es ist eben nicht das „gemeine Blei“ gemeint. Sagen sie an bestimmten Stellen „Merkur“ oder „Weingeist“, dann würde doch der beste Alkohol seinen Zweck hier nicht erfüllen, denn es ist nicht der „gemeine“ gemeint. Sie setzen nämlich zu den „Dingen und Wegen der Natur“ die „Kunst des Menschen“, um ein Ziel zu erreichen, welches über das Wogen der Elemente hinausragt.
Trismosin zitiert im >Splendor Solis< Hali den Weisen: „Die Kunst hat einen anderen Weg und andere Deutung, welche unterschiedlich sind vom Wege der Natur ... und demnach gebiert auch die Kunst aus den vorgehenden natürlichen und wurzeligen Anfängen der Natur besondere Dinge, welche die Natur aus sich selbst nicht gebären könnte. ... (sinngemäß) die Natur der Kunst dienend und wiederum die Kunst der Natur, mit maßvoller Wirkung und dem Wissen was der Natur bequem ist ... daß der Stein zu seiner Form durch die Kunst kommt ... dann ist die Form von der Natur.“ So setzten die „Alten“ den Wert des Lapis weit über alle anderen Mittel, welche bloß der Complexion oder Elementarität entsprachen. Es galt ein wahres „Kunstwerk“ zu vollbringen, welches die Kompetenz des Menschen in der Natur auf stimmige Weise unter Beweis stellte. Verglichen damit hielt man, wie Moehsen schreibt, „des Hippokrates Lehren für Possen und die Schriften des Galenus für Grillen“. Nicht aus Unverständnis oder Überheblichkeit sprach auch Paracelsus in solch abwertendem Ton über Avicenna, Galen oder Dioskurides, sondern um vehement daran zu erinnern, daß es darüberhinaus eine sehr hohe Art des „Umgangs mit den Dingen der Natur“ gibt, die allerdings ein besonderes Verstehen erfordert.

( ... )

Es wirken zwei Kräfte in jedem Element: eine erhält es in seiner Eigenart und eine zerstört es. Die zerstörende Kraft wird zugleich mit dem Element selbst (mit Gebärung und Nährung) aus der Mutter gebracht und durch das Kontrollelement aktiviert (beziehungsweise aufrecht erhalten).
So sind etwa typische Äthersignaturen in den Dingen der Natur zumeist raumfüllend. Pflanzen zeichnen sich durch Samen und Früchtereichtum aus. Diese „Ausdehnung“ ist aber nicht übermäßig massiv (was eher einer Signatur des Mondes entsprechen würde), sondern „reich, aber gemessen“. Jupiterpflanzen sind nicht einfach so massenweise hingestreut. Jede einzelne hat majestätischen Charakter, ihre Blüten-, Samen- oder Fruchtfülle ist auffällig, aber überschaubar. Man spürt in diesen Signaturen die hintergründige, latente Anwesenheit Saturns, die Bestimmtheit der Position im „Schnittpunkt der Acht“. Man erkennt die Zusam-menhaltekraft, das „Zusammenziehende“ trotz Gewährung größtmöglicher Entfaltung. Jupiter-Signaturen dominieren dort, wo eine besondere Ausgewogenheit, beinahe eine Einheit polarer Gegensätze erkennbar ist. Diese Kraft bewirkt oder fördert Synthese, Zusammenschau, das Erkennen des Zusammenhangs. Reifung und Vollendung in allen Bereichen erfüllt den „König“ mit würdevoller Kompetenz. Wie in seinem Organ, der Leber, so wird er auch sonst in mannigfacher Ausdrucksweise höchsten Ansprüchen gerecht, ist belastbar, verantwortlich und stets überquellend von produktiver Fülle.
Erhaben und würdevoll gleitet der Lebermeridian, die wichtigste Energieleitbahn des Äthers im Körper, den „Königsweg“ hinauf, von der Außenseite der großen Zehe durch das breite Tal zwischen den ersten beiden Mittelfußknochen (chin: Tai Chong, Großer Impuls) zur oberen Front des Fußes (Li Gou, Muschelrinne). Oberhalb des Knöchels steigt er noch einmal galant hinab, um sich am „Kreuzungspunkt“ mit den anderen beiden Yin-Meridianen zu treffen.
Dort berührt er den Nierenmeridian, den energetischen Ausdruck des Wasserelements im Körper, und den Milzmeridian des Erdelements. Es scheint, als wollte er ihnen eine letzte Audienz geben, bevor er sich anschickt, das Bein hochzusteigen, immer auf der breiten und sicheren Straße der Schienbeinfläche, danach in weit ausladenden Bögen bis zum Rumpf empor, um schließlich an der untersten Rippenspitze (Zhang Men, Kapitel oder „Tor am Ende“) gegen Ende seiner Bahn, den Treffpunkt aller Yin-Organe zu besuchen. Er beendet seinen Weg seitlich am unteren Brustkorb, dort wo Herz und Lunge schon den Kern des „rhythmischen Systems“ bilden, so als wolle er nun hier alles weitere dem Merkur überlassen. Hier reicht er dann auch das Ki an den Lungenmeridian weiter.
Solcherart würdevoll und gemessen ist die Jupiter-Signatur im Meridianverlauf. Mit seinem feurigen Gesell, dem Gallenblasenmeridian, beherrscht er am Kopf den „Ort der Krone“, wo er sich den höheren, feinstofflichen Ebenen öffnet und die Augen kontrolliert.

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