Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Farben und Licht

Das Farbenspektrum der jovialen Signaturen erweist sich als ebenso reichhaltig, wie die anderen Aspekte dieser Planetenkraft. Er färbt die „Dinge der Natur“ blau, türkis, violett, purpur, rot und goldfarben.
Der Äther erhebt sich aus der tiefen Schwärze des Wasserelements, wenn man sich dieses – polar zum Feuerelement – als lichtlos vorstellt. Schwärze und Lichtlosigkeit sind jedoch nicht vollständig, alleine schon deshalb, weil es in der Natur keinen Pol ohne eine gewisse Verbindung oder Vernetzung mit seinem Gegenpol gibt. So ist auch im „tiefen Wasser“ ein Feuer verborgen, welches wir später als einen Aspekt des „Sonnenfunkens“ kennenlernen werden, welcher „eingesaugt“ ist. Mit der Regeneration des Elementereigens in der Position des mondenhaften Wassers, beziehungsweise des lunaren Äthers, setzt auch die Generation dessen ein, was wir dann in der Position des Feuerelements, insbesondere der Sonne, als „Licht“ empfinden. Zeichnet man (dem Hervorbringungszyklus folgend) einen Bogen, einen Halbkreis, über die pentagrammatische Darstellung des Elementereigens, dann hat man damit (oberhalb der Feuer-Wasser-Achse) die Generation des Lichts beschrieben, welches in der Dunkelheit gewissermaßen als Samen anwesend ist, im Äther seine Embryonalphasen „durchlebt“, um dann im solaren Äther – und mehr noch: im solaren Feuerelement – als tatsächliches Licht zu erscheinen. Mit diesem werden die Farben konkret, weswegen es heißt: Sulfur ist Farbe. Nach Flamel vergleicht sich der Anfang dieses Bogens dem „Ausgehen aus der überschwärzten Schwärze“ und erscheint zuerst in „lazur und himmelblauer Farbe“, welche zu den ersten Farben gehören, die „das dunkle Weib, das ist die Feuchtigkeit ... sehen läßt“. Diesem Bogen folgen nun die jovialen Farben, bis „hinunter“ zu den Rottönen.

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Um einen Eindruck jener Signaturenkunde zu gewinnen, wie sie den alten Iatrochymikern und Kräuterkundigen bekannt war, wollen wir einen Text aus dem >Geiste Jovis< in Cardilucios >Clavis< (zu Carrichter) heranziehen. Auch hier wird die Signatur Jupiters in vielen Pflanzen, welche ansonsten anderen Planeten zugeordnet werden, anerkannt. Teils sind dies Pflanzen, welche aus dem einen oder anderen Aspekt des Wasserelements heraus gebildet sind, mehr noch sind es solche des Feuerelements und auch solche des Luftelements, vor allem wenn sie sanguinisch sind, oder eine Verbindung mit Blut oder Leber anzeigen.

Cardilucio beschreibt das „Temperament“, die „Bewegung“ Jupiters in drei Phasen, je nach Höhe oder Intensität seines Wirkungsgrades. Diese drei sind: der „Aufgang des Geistes Jovis“ – entsprechend den „warmen Geistern nach dem Motum Solis, welche harmonisch sind“, dann der „symphatische Motus Lunae“, entsprechend der „Compaction von Substanz und Farbe“ und schließlich der Motus Veneris, als „Antipathie“ oder „abnehmender Geist Jovis“. Weiters differenziert Cardilucio die Aspekte der Pflanzen, sowie deren Teile und vergleicht diese den Tierkreiszeichen. Nur also zur Anschauung seien hier einige Textstellen wiedergegeben:

„(...) Ochsenzunge und was dergleichen ist, als Nymphaea, ihre Sympathia ist allein im Geäder, und etliche aus diesen haben eine Harmoniam zu dem weißen Geäder, als da ist Seeblumenwurzel. (Solche) haben gelbe Blumen und weiße. Die da gelbe Blumen haben, gehören unter den Schützen, aber ihre Substanz gehöret unter den Krebs und in die Materia des Scorpions. Daher kommt den gelben (Blumen) die Gelbe der Seeblumen und des Schützen materialische Schwefel-Farbe, wie das arte Signata verzeichnet wird.

Ochsenzunge
Ochsenzunge (Anchusa, div. Arten)
Bild: A. azurea

Auch so sind etliche andere die solche Blüt haben, aber einer Leber Farbe, welche mit der Figur und Substanz zweierlei sind, als wild und zahme Salbey, welcher Blüt die Form eines Schuhes Figur hat und eine blaue weißliche Farbe, und die Substanz eine Leber Farbe, darum sie zu der Leber gerechnet wird, hat eine kleine schwefeliche Natur des Blutes, und die blaue Farbe ein temperiertes Blut-Zeichen ist. Aber die Figur des Schützen zeigt einen Austrieb des Hirns an in flexu Coronidis, und im Mark des Rückens aber eine dunkle, wasserblaue Farbe darin ist und die Substanz abschmeckisch, so hat es ein Gift in sich, wie das in der Blüt der Salbey gezeichnet wird und in dem Eisenhütleinkraut, Napellus genannt, auch in einer wilden Wolfsbeer- Blüh, welche gegen Niedergang der Sonnen ist, und solche Figur repräsentieret die Sturmhaube eines Cürrassiers. Dergleichen auch tun Salviae Sylvestres, mit den blauen Blümlein. Die sein alle giftig, haben einen wasserdämpfigen Schwefel in sich von irdischer Feuchtigkeit, gleichwie ein Hüttenrauch oder Spießglasdampf.
(Diese) gehören unter den Motum Veneris der Luft halben vom Geist des Mercurii, denn es ein Gegenschein ist herbae apollinaris (Bilsenkraut und Eisenhut), und sein beide giftig, allein das (eine) apollinaris hat ein giftig dämpfig Salzwasser und das andere einen dämpfigen Schwefel. (...)

Es sind auch rötlicher, glatter Kräuter am Angriff (am unteren oder mittleren Stamm), die hierher gehören unter die dritte Materi (Jovis), welche nach der Farb zu unterscheiden sind und der Blühe und Figur halben (sowie) der Substanz in Blättern, als da sind das edel gülden Leberkraut, Seidenkraut (Asclepias tuberosa), Odermennige, Königskraut. Die haben dreierlei Substanz, gehören unter den Wassermann, also auch Königskraut, um ihrer hitzigen, weißen Substanz willen. Aber der gelben Blühe halben und der äußersten Leber-Farbe gehören sie zu dem Blut-Schwefel und zu der Leber. Aber das Odermennigekraut ist etwas trockener denn das Königskraut, hat auch ein subtiles, durchdringendes Salz. Aber das Königskraut löschet mehr um seiner Blühe willen und Substanz, welche da wässeriger ist. Aber das guldene Leberkraut und Seidenkraut haben ihre Substanz aus den Zwillingen, welches die dritte Substanz ist der blutreichen Kräuter. Ihre Blätter sind auch einer milden, leberfärblichen Subtanz und auch im Angreifen.
Weiße Rhabarbara gehöret auch hierher unter die andere (=zweite) Materi, aber seine Rinden haben eine giftige, gallsüchtige Wäßrigkeit in sich, mit einem groben Salz des Stiers im Geist, welcher dann nun nicht getrieben wird von der Kochung, (daher sie Milch gibt, und das Salz wird zu den Musculis referiret) um der Blätter Figur willen, welche ein Herz in ihrer Figur mitbringen. Aber die milchige Art und die Süßigkeit der innerlichen Wurzel zeiget ein subtiles, löschendes Salz an, durch die weiße, merkurialische Substanz, welches die Farbe auch gebet, gehöret unter die erste Materi des Krebs.“

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Zwischen Merkur und Jupiter besteht eine eigenartige Beziehung. Bei genauerer Betrachtung scheint das Wesen Merkurs zugleich das Wesen des lunaren Äthers zu sein. Mit anderen Worten: Merkur ist der weibliche Aspekt der ätherischen Majestät (und Jupiter der männliche). In alten Darstellungen (Yantras) aus Rajastan ist das Pentagramm mit einer leichten Neigung der Spitze zu sehen, so daß die Position des Wasserelements links oben und die des Äthers rechts etwas weiter unten ist. Das „obere“ Wasser, der „Mond“ (und damit auch Merkur in statu nascendi) befindet sich zuoberst. Damit rückt die Position des „männlichen“ Königs schon deutlich in den sulfurisch-solaren Bereich „hinab“, während der, sich gerade aus dem (weiblichen) Mond sich erhebende (androgyne) Merkur die eigentlich majestätische Position im Elementereigen einnimmt. Vielleicht ist in diesem oder ähnlichem Begreifen der Kräfte-Positionen die Ansicht der asiatischen Iatrochymiker begründet, daß das Quecksilber (das Metall des Merkur) die mächtigste und vornehmste Substanz in Alchymie und Heilkunst ist. Im Abendland suchte und sucht man diese Größe im Antimon (in dem Saturn und Jupiter einschreiben) – vielleicht aus einer mißverstandenen Wertigkeit des „männlichen Prinzips“. Hier scheint es selbstver-ständlich zu sein, daß der Elementekönig männlich ist, und man kennt Jupiter/Zeus üblicherweise als „gerechten“, patriarchalen Blitzeschleuderer mit all seinen Aspekten und Attributen.

In den alten Erzählungen stehen oft „Massen“, Heere oder Völker einem „Einzelhelden“ gegenüber, eine Allegorie für die „hohe Polarität“ von Mond und Sonne. Hier erreicht das Bild keinen jovialen Charakter, stehen sich doch die beiden Poaritäten „gegenüber“, die Masse trägt den König nicht, und der „Einzelheld“ steht (zumindest vorerst) nicht in königlicher Position (welche er dann aber meist in der Folge der Erzählung erringt – womit die Erzählung zumeist auch endet). In den vielfältigen Varianten dieses Themas bleibt die königliche Natur des „Einzelhelden“ zuerst verborgen oder unerkannt. Hier mögen Jupiter- oder Saturnkräfte förderlich oder hinderlich auf Erlebnis und Entwicklung des „Einzelhelden“ einwirken, lassen aber dennoch die Position des „endgültigen und eigentlichen“ Königs frei. Solche Allegorien weisen zuweilen auf jenen Aspekt Merkurs als „geheimen König der Elemente“ hin.
Diese Thematik verbirgt sich etwa auch in dem sehr alten keltischen Sagenkreis des >Roten Zweiges< in einer Art Abenteuergeschichte, deren Rahmen eine historisch belegte Kriegshandlung zwischen den Königreichen Munster und Leinster bildet. Das Thema selbst hat urzeitlichen Charakter und ist vermutlich schon lange vor diesem historischen Ereignis (in anderen Rahmen) überliefert worden. Darin wird auf den Wandel des Mondenhaften zum Solaren Bezug genommen. Die zentrale Symbolik beschreibt das merkuriale Bild eines schlangenschwänzigen, geflügelten Pferdes.

Am Ende vieler (hermetisch deutbarer) Erzählungen reicht der „alte König“ sein Amt an den jungen weiter, was sehr oft nicht freiwillig oder zumindest unter schweren Prüfungen geschieht. Im Zuge dieser Prüfungen stellt sich heraus, ob jener junge „Merkur“ tatsächlich die königlichen Qualitäten mit sich bringt, welche ihn dann für den Titel „Zeus“ (Theos) qualifizieren.
Dieselbe „königliche“ Konstellation beschreibt schon die Herkunft Zeus/ Jupiters in der griechischen Sage, nämlich indem seine Mutter Rhea den Sproß „bei den Ziegen, in einer Höhle“ solange vor dem Vater versteckt, bis er herangereift ist. Anders ausgedrückt: Es ist dieser Zeus noch kein König, solange er sich im Mondenzustand (Säugling) und in der Kindheit (Merkur) befindet. Es wird ein „Merkur“ vorbereitet, welcher dann Saturn (Kronos) überwindet und dann erst Titel und Position des Königs (Zeus) erhält. Der Aufenthalt bei den Ziegen entspricht der Entwicklung eines solaren Charakters – man denke dabei an das gleichnishafte Erscheinen des „Widders“ (Ram) als „erster Sonnenfunke“.

Damit lassen wir es gut sein, und wollen nur einige Überlegungen zum Wesen Jupiters und der mit ihm verbundenen Kräfte angestellt haben und zu weiteren anregen. Nun blicken wir dorthin, wo sich der Äther (als subtil-stoffliches Element) den „grobstofflichen“ Elementen zuneigt.

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