Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Herz und Sonne

Das Herz ist die Sonne im Körper. Es gilt als der „Sitz des Gemüts“ und als „Fürst des Feuers“. Seine zentrale Lage im Menschen, seine Fähigkeit, alles Geschehen, sei es grob- oder feinstofflicher Natur, wahrzunehmen und das Wahrgenommene dem ganzen Menschen zu vermitteln und dann die Reaktionen darauf ordnend zu empfangen, weisen genauso wie die vordergründige Viergliederung des Kammersystems darauf hin, daß das Herz „an der Grenze zwischen Himmel und Erde wohnt, um diese zu verbinden“.
Als Kind des Äthers nimmt es das Feinstoffliche genauso wahr, wie es als Mutter der Erde, den Zustand des Körpers und der Umwelt sofort bemerkt. Die Eindrücke erfahren im Körper des Herzens eine Synkope, werden gewissermaßen „eingebremst“ – eben wahrgenommen. Die Herzsubstanz, welche durch Vermittlung des Äthers direkt aus der im Wasserelement wohnenden „Essenz der Substanz“ gebildet wird, ist von solch hoher Qualität, daß sie imstande ist, jene Eindrücke zu „empfangen“. Genau hier ereignet sich das „Innehalten“, welches zur „Wahrnehmung“ führt. Der sich noch gewissermaßen im mondenhaften Zustand befindliche Herzkörper ahmt das „Ereignis der hohen Polarität“ nach, das Zusammentreffen des „ersten Sonnenfunkens“ mit dem mondenhaften Urgrund des Äthers. Dadurch „spiegelt“ auch der Herzkörper die Eindrücke, nachdem er sie empfangen hat. Er spiegelt sie sowohl in den „Raum“, als auch in den ganzen Körper hinein, wo sie an dessen Kräften, „Hüllen“ und Substanzen mitweben, den „Gemütszustand“ bewirken und die Voraussetzung für den Intellekt schaffen.
Da aber unentwegt Eindrücke von grob- und feinstofflicher Natur einströmen (ein „moderner Forscher“ hat es so ausgedrückt: „Zwei Billionen Gedanken mit einem Augenschlag – und keiner weiß, woher sie alle kommen“), muß das Herz eine augenblickliche Wertung durchführen und ihre Zuordnung und Verteilung organisieren. Deshalb ist das „vom Herzen Erkannte“ stets das Unmittelbarste und die vom Herzen getroffene Entscheidung die Richtigste.
Für diese Aufgabe wählt das Herz den Weg der „Rhythmisierung“, gewissermaßen einer Erweiterung der „Spiegelung“, entsprechend der Art des Feuerelements. Einen Moment ist es ganz Substanz, hält inne und nimmt wahr. Im nächsten Moment ist es ganz Feuer, zentrierend, differenzierend, und wieder den nächsten Moment entläßt es das Empfangene in die Systeme des Menschen (und seines Umfeldes). Als Viertes ist es ansaugend, um schließlich wieder von Neuem innezuhalten und wahrzunehmen.
Die Fähigkeit, Phasen zu bilden, hat das Herz von seinem Mutterelement übernommen und weiter ausgebildet. Hier verdoppelt sich schon jener Äther-Prozeß. Zum überwiegend feinstofflichen und subtil-stofflichen Geschehen kommt nun noch ein ganz ähnliches Geschehen im Grobstofflichen dazu.

Das Herz regiert das Blut und kontrolliert die Blutgefäße. Auf diese Weise ist es ständig mit dem Nährstrom, sowie mit den groben und subtilen Substanzen der Umwelt verbunden. Diese stofflichen Einflüsse werden auf beinahe dieselbe Art wahrgenommen, gewertet, organisiert und reflektiert – insgesamt „rhythmisiert“ – wie die feinstofflichen. Deshalb spricht man beim Herzen von einer Vierteilung der Phasen, wogegen das Ätherelement, als „Schnittpunkt“ zwischen dem feinstofflichen und dem grobstofflichen Kosmos vor allem jene zwei Phasen miteinander verbindet.

Herz- und Ätherposition

Hier steht das Herz wahrnehmend in der Mitte, zwischen Erde und Äther, zwischen Grobem und Feinem, Sichtbarem und Unsichtbarem, und darin steht es wiederum zwischen Nehmen und Geben, Empfangen und Verteilen, weshalb es als „Kreuz des Lebens“ bezeichnet wird. Als Erweiterung der Amplitude des Ätherelements zeigt es uns, wie das Folgeelement (das „Kind“) stets sein Mutterelement nachahmt.

Ein Teil des Mutterelementes wirkt stets im Kinde nach, was wesentlich zur Ver-netzung der Elemente beiträgt. Diese Nachhaltigkeit ist desto stärker, je stofflicher das Element ist. Das fünfte Element im Schnittpunkt der Weltenachsen bleibt nachhaltig anwesend im Herzen, als ätherischer Raum, als „noch feinstoffliche Herzkammer“ im Bereich des physischen Reizleitungssystems.
Die Bewegung des Blutes, das Fortgehen und Zurückkommen erinnert an die Acht, an den Leberstoffwechsel, an die Lemniskaten der Planetenbahnen und an die rhythmischen Ausformung des Stofflichen um eine mondenhafte „Basis“, bezieht sich aber (im Falle des Blutes) alleine auf den stofflichen Körper. Im stofflich-subtilen und im feinstofflichen Bereich ist ebenfalls eine solche „Schleifenbildung“ vorstellbar, nach der die nichtstofflichen Eindrücke das Herz berühren und wieder verlassen.
Immer ist Wahrnehmung abhängig vom „Innehalten“. Ohne Synkope kann nichts erfahrbar werden. Ohne Loslassen kann nichts weitervermittelt werden. Im Herzen geschieht das Rhythmisieren des Wahrgenommenen entsprechend dem wellenförmigen Hervorbrechen von Gemütsstoff aus dem Ätherelement, vom Embryonalzustand bis hin zum Tod, wobei auch die Herzschläge zu einem Maß der Lebenszeit werden.

Synkope und Rhythmisieren der Einflüsse setzen im Embryonalzustand ein, mit der Herausbildung des stofflichen Herzens. So wird das Herz zu unserem ersten Wahrnehmungsorgan. Das direkteste „Gespräch“, das wir führen können, ist das Gespräch von Herz zu Herz. Trotz äußeren Schweigens weiß der eine, was den andern bewegt. Selbst während der verbalen Kommunikation spielt sich zwischen Menschen (aber auch zwischen Mensch und Tier) eine andere, direktere Kommunikation ab, eben die von Herz zu Herz. Sie erreicht weit tiefere Schichten und vermittelt klarere Bilder als es das gesprochene Wort vermag. All dies geschieht aber im Inneren des Menschen und ist nach außen nicht so offensichtlich, wie andere Kommunikationsformen, wie Sprache oder Gestik.
Das Herz „fängt ein“ – aus dem jenseitigen Raum heraus. Es verbindet sich mit dem „Mond“ durch das Ereignis der „Spiegelung“, und mit der „Erde“ durch die Nährung und Hervorbringung. Aufgrund der ätherischen und stofflichen Impulse wird es zum Kern der Individualität. Es installiert die Rhythmik und ermöglicht damit erst die eigentliche Erdhaftigkeit.

Das Herz „konkretisiert nach unten hin“ und trägt die Einflüsse der Ideenwelt, sowie die willentlichen Entscheidungen darüber mit in den Stoffwerdungsprozeß hinein. Die damit verbundene Individualisierung ist nicht nur ein Erwachen zur Eigenständigkeit, sondern auch ein Heraustreten aus der alles bergenden Einheit. Das Herzthema des Menschen ist die Überwindung dieser gegensätzlichen Bedeu-tungen. Herzens-entwicklung findet statt, wenn diese vollzogen wird. Das Erstarren in übermäßiger Individualität ruft die zerstörerischen „Aufbrechkräfte“ des martialen Feuers hervor, von denen wir noch sprechen werden. Andererseits kann das Rücklösen in undifferenzierte Masse auch einen Rückzug in tierisches Grup-penverhalten bedeuten, wobei dann die Durchdringung der Lebensform mit den Herz-Prozessen bestenfalls Sehnsucht bleiben kann.
Gichtel sagt: Das Werk geschieht im Herzen, hier wird dem Himmelreich Gewalt angetan. Die Einstofflichung des Sonnenwesens in die Erde, in den finsteren Saturnzustand, wird hier vorbereitet.
Aus der Ansicht der Elementegenese wird durch das Erscheinen des Herzens, durch das Hervorbrechen der Sonne ein neuer Elementekreis geboren, ein neues „Kind des Makrokosmos“. Deshalb hängen Sonne und Geburt zusammen. Diese erste Position im elementaren Verdichtungsprozeß birgt in sich den Urschmerz des Herausfallens aus der „Leichtigkeit“, aus der Einheit geistigen Daseins in die Getrenntheit des Grobstofflichen, bringt aber mit sich zugleich auch die Urfreude, in eine neue Inkarnation aufbrechen zu dürfen.

Das Herz regiert die Feuer-Prozesse des Körpers, speichert und verwaltet die „feinstoffliche Substanz des Gemüts“. Es bildet das Ruhelager für den Geist (chin: Shen) im „Zentrum des Lebenskreuzes“, den „manifestierten Grund der Schwere“.

Hier beginnt mit dem „Erwachen zum Individuum“ das Sulfur-Prinzip und mit diesem die Vielfalt der Farben, da sich nun endlose Variationen stoffwerdender Ideen und Bilder manifestieren. Johann Schröder (17. Jhdt.) bezeichnet „Sulfur“ als den „Brunnen aller Farben“. Man nennt das Herz „erkennend im Licht“, korrespondierend mit den Pupillen und der hinausstrahlenden Farbencorona der Iris, durch die der Zustand des gesamten Körpers und das Befinden des Menschen kommuniziert wird.
Dem Herzen wird die Nasenspitze zugeordnet, aber auch die Zunge (vor allem die Zungenspitze), sowie deren „Rede“. „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.“ Das, was uns im Innersten bewegt, erhält durch die Zunge Ausdruck. Der in der Heilkunst Verständige wird zur Befundung des Herzens auch jene Körperzonen prüfen, aber vor allem den Grund der Rede.
Die Substanzen des Erdelements werden durch den Geschmackssinn von Zunge und Gaumen am unmittelbarsten erkannt. Es kann also das „Wesen“, die „Tugend der Dinge“ besonders dort wahrgenommen werden, wo sich das Wesen des Herzens im Körper manifestiert. Das Herz selbst wird als „erstes Gefäß der Quintessenz“ bezeichnet.

So ist das Herz also unser erstes Wahrnehmungsorgan und – was man bei diesem Thema heute noch stets hinzufügen muß – keine Pumpe, die das Blut durch den Körper treibt, wie man bisweilen glaubt (oder glauben machen will). Das wäre schon physikalisch gar nicht möglich. Dazu bräuchte man eine Maschine, die mehrere Tonnen zu bewegen imstande ist. Das Blut, welches über Millionen Gefäße jede Information des Körpers aufnimmt und weitervermittelt, trägt diese Informationen dem Herzen zu, sie werden von ihm gewissermaßen angesaugt, wahrgenommen und rhythmisch wieder in die Ganzheit eingewoben. Das Luftelement vermittelt dabei die Eindrücke der Außenwelt über Haut- und Lungenprozesse dem Blut.
Jedes Organ, jedes Gewebeteilchen, jede Zelle ist eine „physische Manifestation“ der planetaren und elementaren Kräfte, welche erst möglich wird durch deren Zusammenspiel, deren Miteinander und Ineinander. Jedes „Ding“ wird gebildet durch spezifisches Zusammenfließen mehrerer Grundkräfte, welche dann ein vielschichtig komplexes System ergeben – teils wesenhaft teils stofflich –, alle anderen Bereiche der Natur durchdringend und beeinflussend. Hier sind zumindest die Ursachen eines Organs zu bedenken, welche dieses feinstofflich, energetisch und stofflich bilden, sowie sein Zweck und seine vielschichtigen mikro- und makrokosmischen Korrelationen. Zu befinden, daß „das Herz die Sonne im Körper“ sei, ist sicherlich richtig und hat seine kosmologischen, hermetischen und auch seine physikalischen Gründe. Aber damit ist das „Ding“ noch nicht bezeichnet, das Thema nur an seiner Oberfläche berührt.

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