Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Das Luftelement

Das Organ der Lunge wird aus dem Erdelement heraus gebildet. Dieses Heraus-bilden ist dann schon Luftelement. Gestalt, Gewebe und Funktionen der Lunge zeigen die Signaturen jener Position, wo das Merkuriale sich aus dem Erdelement löst und, dieses öffnend und formend, schließlich zu einem eigenständige Elementarbereich wird. Die erdhaften Signaturen sind noch deutlich ausgeprägt, etwa in der, sich nach unten vergrößernden Lungenform und in der Dichte, welche die Knorpeln der Luftwege vom Kehlkopf bis zu den Knorpelringen der feinsten Verzweigungen signiert. Ihre auffallend niedrige Temperatur (bei 35,5°C) erinnert an die Kälteeigenschaft des Saturn. Auch die „Schwerkraft“ der Erde wirkt besonders in der Lunge.

Die, von der Außenwelt einströmende Luft ist in den Lungenbläschen nur durch eine hauchdünne Schicht vom Blut getrennt, in welchem Luft- und Feuerelement eng zusammenstehen. Hier findet ein direkter Austausch, eine unbehinderte Kommunikation zwischen Außen- und Innenwelt statt. Was die Atemluft dem Blut vermittelt, wird vom Herz wahrgenommen und in die Gesamtheit des Menschen integriert. Hierbei spielt eine wesentliche Rolle das Eisen, das Metall des Mars. Im Blut wird es nicht durch den Sauerstoff der Atemluft oxidiert, weil sich das Blut in einem „höheren“, gleichsam kolloidalen Zustand befindet. Das Blut nimmt die Eindrücke der Außenwelt auf und übernimmt selbst die Rolle des merkurialen Vermittlers. Sein inneres (merkuriales) Wesen wird durch die äußeren Eindrücke zwar mehr oder weniger kurzfristig geprägt, jedoch nicht wesentlich verändert. In diesem Sinne wird das Blut dem Luftelement zugeordnet.

Der Mensch lebt sich durch Atmung in den physischen Körper hinein. Unsere Erdbindung geschieht durch die Lunge. Durch das Einsaugen der Atemluft festigt sich der Geist im Körper. Ausatmung ist die Lockerung dieses Zustandes. Eine natürliche Atemrhythmik verhindert Verflüchtigung oder Erstarrung. Deshalb ist richtiges Atmen von großer Bedeutung. Zuerst ist Ausatmung. Einatmung geschieht wegen der Stoffhaftung des eingekörperten Geistes von selbst. Das kann man üben, indem man die Luft durch Einziehen der Bauchdecke aus der unteren Lunge, dann aus dem Brustkorb und zum Schluß aus den oberen Lungenspitzen durch ein leichtes Senken der Schultern, ausatmet. Der Bauchraum wird sich dabei von alleine wieder ausdehnen und frische Luft hinuntersaugen; dann weitet sich der Brustkorb, und schließlich heben sich die Schultern, währenddessen wiederum das Einziehen des Bauches erfolgen sollte.

Atmung bewegt den Rumpf wellenartig, obwohl dieser von selbst nicht so beweglich ist, wie zum Beispiel die Gliedmaßen. Man sagt: Merkur, das Kind der Stofflichkeit, bewegt alle leichten und schweren Körper. Die Lungenfunktionen stellen das merkuriale Prinzip der Bewegung und des Austauschs im Körper dar.
Im Rhythmus der Atmung lebt sich der Mensch in den Körper hinein. Das Atemvolumen nimmt bis zur Lebensmitte zu, um sich danach wieder zu verringern, bis daß der Geist „ausgehaucht“ wird.
Es heißt, der eingesogene Atem sei dazu bestimmt, die äußersten Grenzen jedes Organs zu erreichen. Bevor der „Atemwind“ sein Ziel erreicht, erfährt er viele Änderungen, da er mit allem in Verbindung tritt, das er berührt. Wird sein Weg behindert, können Krankheiten entstehen.
Hermetisch ausgedrückt, ist die Einatmung eine Fixierung des Flüchtigen – das Wiedereinfangen des, soeben erst aus dem Saturnzustand Hervorgebrachten. Hier wirkt jene Kraft, die alles, was noch irgendwelche erdhaften Anteile enthält, selbst wenn diese äußerst subtil sind, wieder zum saturnischen Ursprungselement zurückbringt.
Ausatmung bewirkt die Gestaltung des saturnischen Stoffes. Dabei durchzieht der „Atemwind“ die Kanäle und Gewebe bis zu den engsten und dichtesten Orten. Ausatmung entspricht der Lösung des Geistes aus dem Kerker, wie wir sie in den Prozessen der Auflösung und Subtilisierung erleben. Jede Ausatmung ist eine Geburt aus der Erde als Gestalt, Bewegung, Wort oder Essenz. Die „Äußerung“ will eintauchen – oder entfliehen – ins Unbegrenzte, Raumhafte, erfährt jedoch ihre Synkope, noch bevor sie völlig in das fünfte Element entweicht. Auf diese Weise beschränkt das (saturnische) Gerüst den Gestaltwerdungsimpuls, wird aber umgekehrt (gleichsam im nächsten Intervall) davon geformt.

Luft

Dieses Eintauchen und Zurückgeholtwerden bezeichnet die Art des elastischen Luftkörpers der Erde. Damit wird das Luftelement zum ersten vollkommenen Ausdruck der Polarität, die ansonsten eher verborgen in den Elementen herrscht. Jene Polarität wird dann zum Wesen des Wasserelements und erreicht im Mond ihre höchste Art.

Die Lunge ist das irdene Gefäß des merkurialen Geistes. Asiatische Traditionen nennen den Bereich der ersten „Lungen-punkte“ am oberen Brustkorb „zentrale Residenz“ (chin: Zhong Fu), wo das Ätherische in die Physis hereingesaugt wird.

In diesen Zonen sammeln sich zwischen drei und fünf Uhr früh die Energien des Erdelements aus dem Milzmeridian, vermengen sich mit den Energien des Luftelements und machen jene Körperzonen empfänglich für das ätherische Einfließen. Der gesamte rhythmische und energetische Zustand während eines Tages wird durch dieses Ereignis bestimmt.
Mit der Lunge wird aus dem Saturnischen heraus ein Organ geschaffen, dessen Funktionen es möglich machen, den Saturnzustand des Körpers zu relativieren, die Gewebe rhythmisch zu durchleben und zu durchgeistigen.

Immer dringt Merkur in die Weite des Raumes vor, kann aber wegen seiner besonderen Qualität der „Erdhaftung“ nicht vollständig darin aufgehen. Er durchdringt auch, das Ätherische nachahmend, die erdhaften Dinge. Er tut dies mit der Schärfe des Geistes, erkennt ihr Wesen, nimmt auf und gibt wieder, wird zum Boten, Händler und Vermittler, zum Dieb, zum Hofnarren und zum Intreganten. Es ist Merkur, der letztendlich die „Idee“ enthüllt, der den Ausdruck, die Gestalt, verleiht, welche zum Signaturkundigen in der Sprache der Natur spricht. Dabei nimmt er an den „Dingen“ und Ereignissen teil und bleibt davon nicht unberührt, denn er kann sich der Stoffwelt nicht völlig entziehen.

Als individuelle Form, sei sie Pflanze, Mineral oder Organ, erscheint nun der Sonnenfunke im physischen Gewand. Aus der starren Enge des saturnischen Kerkers kann er sich jetzt in die elastische Weite des Luftelements hinaus entfalten, wo er die rohe, undifferenzierte Substanz mit einem wallenden Mantel umhüllt, dem vielerlei Symbole eingewebt sind. Merkur entsteigt – das Grobstoffliche überwindend – dem Erdelement und zieht dabei die Formenwelt mit sich.

Luftdiagramm

Dort, wo die Planetenkräfte sich in der fünffältigen Natur tatsächlich „ausdrücken“, beginnt das Luftelement. Es scheint, als ob jenes Element die „Kontrolle“ des Äthers über das Erdelement erst möglich macht – ein Gedanke, der uns im Kapitel über Hofnarr und König wieder begegnen wird. Durch den „Schnittpunkt der Acht“ gelangen die kosmischen Kräfte „hinunter“ zur „Nahtstelle zwischen Saturn und Merkur“ (zwischen Erd- und Luftelement). In den Öffnungsprozeß der Erde einwirkend, schreiben sie während der (an sich merkurialen) Gestaltung ihre Signaturen ein. So steht Merkur gewissermaßen den Einschreibekräften voran, was auch seinem Rang als „Bote der Planeten“ entspricht. Er ist dabei keineswegs immer neutral, sondern eher parteiisch. Er kann die Einschreibung der anderen Planeten beeinflussen, wie ein Kommunikator die zu kommunizierenden Informationen. Seine vielfältigen Eigenarten fassen wir im Begriff „Merkur-Prinzip“ zusammen, oder sagen einfach „Merkur“, auch dann, wenn damit nicht alleine jene Planetenkraft gemeint ist.

( ... )

Wir wollen uns das Vorangegangene nochmals vergegenwärtigen: Wenn mit dem ersten Schritt der Elementengenese (dem Hervorbringungszyklus folgend) zuerst das Feuerelement alleine ist, gibt es nichts worauf dieses „strahlen“ könnte und niemanden der es wahrnimmt. Es nimmt sich dort, wo der erste Sonnenfunke vom Mondenspiegel reflektiert wird, zuerst selbst wahr und wird zur „Sonne“ oder zum „Herzen“. Zugleich mit der Reflektion nimmt das Feuer auch die „stoffliche Essenz“ (welche im Wasserelement enthalten ist) in sich auf und erhält dadurch seine Tendenz zur Stoffbildung.
Sobald das Erdelement geboren ist, entsteht aus der Beziehung beider Elemente zueinander – „Sonne scheint auf Erde“ – das Phänomen des Schattens. Daraus ergibt sich ein besonderer Aspekt, welcher (unter anderem) zur Gene-ration des Luftelements beiträgt. Zur einfachen Polarität hell-dunkel (Feuer-Erde) kommen nun unendlich viele Schattierungen hinzu. Und dieser „Schatten“ ist eben das Luftelement. Deshalb nannten die „Alten“ die Luft (den Wind) den „Schatten des Lichts“.
Gleichzeitig damit bilden sich die Erscheinungsformen und Gestalten aus, die (wie die gesamte Welt der physischen Formen) als Scheinwelt oder Illusion (skr: Maya) bezeichnet wird. Die Dinge der Natur sind der schattengleiche Ausdruck ihrer kosmischen Urbilder, welche der rohen Materie, dem „Grundstoff“, ihre Signaturen einprägen. Die Materie selbst bleibt saturnisch, auch wenn sie nun differenziert und gestaltet ist. Die Art der Dinge, uns durch ihre Erscheinung ein Erkennen der (ihnen zugrundeliegenden) Ideen zu gestatten, ist „merkurial“.

Die Verbindung von Luft- und Ätherelement zum „Wind“

Aufgrund ihrer Ähnlichkeit und einer besonderen gegenseitigen Bedingtheit verbinden sich manche Elemente miteinander solcherart, daß sie damit gleichzeitig einen Schritt in Richtung des grobstofflichen Ausdrucks elementaren Geschehens tun.
Das Element selbst ist ja nicht sichtbar noch greifbar. Das Wort bezeichnet den „Urstoff“ im Sinne von „Anfangsgrund“ und damit eine physische Grundkraft, die erst in vielfältigem Zusammenspiel aller Grundkräfte die eigentliche physische Natur, wie wir sie kennen, ergibt. Das Element ist kein „Ding“ und auch keine „fixe“ Erscheinung, ja nicht einmal als „Grund-kraft“ hat es tatsächlich ausreichende Fixität, um von ihm eine bestimmte „Anwesenheit“ oder „Dauer“ erwarten zu können.
Die Elemente sind ineinander verwandelbar. Wir erinnern uns dabei an die Fähigkeit der platonischen Körper zur Metamorphose, wenn man sie in ihre Grunddreiecke oder Zahlenwerte zerlegt. Deswegen bezeichnet man den Elementar-zustand zugleich auch als „Wandlungsphase“.
Der Begriff der „chemischen Elemente“ ist terminologisch ein grundsätzlich anderer als der klassische. Ein fixes System materieller „Letztelemente“ kann ohnehin nur ein beschränktes Schema zur Ordnungshilfe sein, weiß man doch, daß auch diese einer ständigen Veränderung unterworfen sind und sich die Reihungsweise der Natur nach anderen Gesichtspunkten vollzieht, etwa nach der Annäherung an den Goldenen Schnitt. Auch die „Elementarteilchen“ haben genau genommen nicht direkt mit dem Begriff „Elementar“ zu tun. Protonen, Elektronen und Neutronen sind vielmehr ein Ausdruck des beginnenden Saturnzustandes an einem bestimmten Ort im Raum. Das Ayurveda zählt sie allesamt zum Erdelement (Prithvi Mahabhuta). Insgesamt hat die klassische Lehre von den fünf Elementen all die zeitweiligen Theorien und Ordnungsversuche bis heute überdauert, weil durch sie das wirklich elementare Geschehen im Hintergrund der Materie am besten beschrieben und das „Wesen der Dinge“ verständlich wird.

« zurück - nach oben - weiter »