Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Der mondenhafte Grund des Herzkörpers

Die Qualität des Herzkörpers ist von der Reinheit und Ursprünglichkeit der „ersten Substanz“ abhängig, welche aus der Position des Mondes heraus generiert wird. Diese Thematik, welche wir im vorangegangenen Kapitel schon ein wenig mit einbezogen, wollen wir nun hier, am Beispiel des Herzens, vertiefen und dabei einiges vorwegnehmen, was dann erst später eingehender behandelt wird. Den „Hintergrund“ des Herzens bildet das mondenhaft Wäßrige und das mondenhaft Ätherische (der lunare Äther). Hier finden, infolge der Auflösung der Erscheinungsformen jene Ereignisse statt, welche die stete Erneuerung des Elemente-reigens vorbereiten. Dort (in der Position des Mondes) löst sich auf, was hier (in der Position der Sonne) hervorgebracht wird. Fäulnis und Verwesung begleiten dort das Zerbrechen der Struktur und den Verlust der Individualität und Differenziertheit. Die Stoffe und Kräfte fallen auseinander und streben ihrem jeweiligen Urgrund zu.
Das, was sich in den ätherischen Raum erhebt, dort aber nicht entflieht, nicht von den „ätherischen Wässern fortgewaschen“, sondern wieder hineingesogen wird in den „neuen“ Elementereigen, das bildet die stoffliche Grundlage der feineren Gewebe des Herzens. Deren Substanz hat die mondenhaft passive, undifferenzierte Sphäre zum Grund, aus welcher sie (vorerst) „ungreifbar“ in den Äther dringt.
Das Erheben jener „stofflichen Essenz“ aus dem „hohen Wasserelement“ ist möglich, weil die Position des Mondes einem „Spiegel“ gleicht, der sein Dasein wesentlich davon ableitet, daß es eben „etwas zu spiegeln“ gibt. Wenn nun die „erste Quintessenz“ aus dem Raumhaften hinaus der Stoffwerdung entgegendrängt – der „erste Sonnenfunke“ sich im solaren Äther erhebt –, dann „trifft“ er zuerst sein Spiegelbild. Dies ist für das gesamte Geschehen die wesentlichste Initialphase. Erst durch die Reflektion des Sonnenfunkens im Mondenspiegel kann sich solare „Substanz“ bilden. Dadurch tritt auch das „Sonnenwesen“ aus dem „Naturgeist“ heraus und erhält eine gewisse Eigenständigkeit. In dieser elementaren Phase bilden sich die Sonne im Kosmos und das Herz im Körper.

Man spricht noch nicht vom „Herzen“, wenn man alleine das wäßrig mondenhafte Chaos vor sich hat, in dem das Konkrete verwischt, jede natürliche Kompaktheit gelöst ist und deren Bestandteile in die Prinzipien geschieden sind, aus denen sie gebildet waren. Und dennoch wären weder Sonne noch Herz ohne dieses Chaos möglich. Beider „Kern“ wird durch die „Scheidung im Chaos“, beider „Mantel“ (die Substanz) durch den Mond gebildet. Auch aus diesem Grunde (wegen dieser Signaturen) erkennen die Heilkundigen und Iatrochymiker in den mondenhaften Dingen (wie Silber, Perle oder Mistel) eine ganz besondere Herzwirksamkeit.

Neben dem mondenhaften Wasser bildet natürlich das gesamte Ätherelement mit am Grund des Herzens. Dessen Nähe zum Zodiak teilt sich in der solaren Signatur des Tierkreiszeichens Löwe mit, reicht aber (genaugenommen) weit darüber hinaus ins Erdhafte. Der Iatrochymiker erkennt in der solaren Signatur des Herzens keine direkte Beziehung zur Herzsubstanz, sondern den „Impuls“ zur Herzwerdung und damit zur stofflichen Manifestation an sich, sowie die Aktivität des Herzens selbst.
Wieder wird deutlich, daß die „Substanz“ einer elementaren Ausdrucksform noch ganz im Mutterelement eingehüllt ist, und daß ihr „Grund“ wiederum in dessen Mutterelement liegt. Grund und Substanz, Wesen und Wirkung aber bilden das eigenständige Kind. Im Äther keimt der Wille zum Sonnenaufgang – das Feuerelement besteht aus seiner Verbindung mit dem Wasser.
Hier wird ein ur-aktives Element aus einem ur-passiven Grund vermittelst des Äthers hervorgebracht. Mit dem Mondenzustand „im Hintergrund“ kann sich die solare Neigung des Äthers zu vollständiger Aktivität entfalten.

Hier wird aber auch – im Bild des Elementereigens – die Schwelle vom Tod zum Leben überschritten. Mit der Sonne, mit dem Herzen, tritt etwas ganz anderes auf, etwas Neues, Lebendiges, das dem Wesen des lunaren Äthers völlig entgegengesetzt ist. Davon spricht Aristoteles, wenn er bemerkt, daß „die Kraft und der Geist der Sonne lebendig machen“, oder Trismosin, der sagt, daß „die Hitze in die erdhaften Dinge eine geistige Kraft bringt“.

Ein besonderer Aspekt der Feuer-Sonne-Herz-Thematik ist das Erdhafte. Allein schon durch seine „Anwesenheit“ als erstes grobstoffliches „Ding“ im neuen Elementereigen erhält das Herz zur Erde eine tiefe Beziehung. Es ist kein typisches Organ des Erdelements, etwa im Sinne der Milz, sondern es ist selbst eine Art „Prä-Erde“ – dem späteren saturnischen Bereich übergeordnet, diesen ursächlich und funktional durchdringend.
Durch die Bildung des Herzens wirkt die Gesetzmäßigkeit „wie außen so innen“ vom Makrokosmos in den Mikrokosmos hinein. Dies ist der Grund, weswegen man das Herz, neben seiner Entsprechung zum „Löwen“, auch – und oft viel mehr – mit dem Tierkreiszeichen „Stier“ vergleicht. Dabei erkennt man darin die „erste Grobheit“ nach der Subtilität des Mondenzustandes und der Unfaßbarkeit des Äthers, das erste Feurig-Dynamische und Konkret-Erdhafte. Hier endlich kann das (eigentlich) Salinisch-Merkuriale zum Ausdruck kommen. Das, was nach Auflösung und Scheidung „im Mond“ weiter im Elementereigen verbleibt, einer „neuen Geburt“ entgegenstrebend, die „erste (potentielle) Quintessenz“, kann im solaren Feuer „reifen“, um sich dann elixirhaft im Erdelement zu fixieren. Dafür ist der „Stier“ ein urzeitliches Bild – mit seinen Mondsichel-Hörnern, seiner Leibesmasse und seinem feurigen Wesen.

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