Zu den heute verwendeten mineralischen Bestandteilen der Rezepturen in der chinesischen Medizin

Heute sind diese Verfahren in der Pharmakologie der chinesischen Medizin nicht mehr bekannt, und nicht einmal die mineralischen Zusätze zu den Pflanzen-mischungen werden "kunstgemäß" aufgeschlossen. Daß in entlegenen Gegenden Chinas noch tatsächlich alchymisitsch gearbeitet wird, ist anzunehmen, stand doch die Tradition während Jahrtausenden in hohen Ehren, und die geistige taoistische Lehre schließt bis heute die Alchymie als wesentlichen Aspekt mit ein.
Die Rezeptierkunst hat aber ihre Wege bis in die heutige Zeit gefunden – eng verbunden mit hochwertigsten Befundungsmethoden bzw. einer, der gesamten Heilkunst eigenen hermetischen Weltsicht. Es scheint jedoch, daß (zumindest in den im Westen erhältlichen Rezepten) mineralische und metallische Bestandteile deutlich seltener vorkommen, als dies in alten Zeiten üblich war. Nicht etwa deswegen, weil man heute besser über deren mögliche Giftigkeit bescheid wüßte (die subtilsten, ausgefeiltesten Gifte und Gegengifte verstanden bekanntlich die Alten zu bereiten), sondern eher weil es den einen an der alchymistischen Kunst und den andern am Kunstverständnis mangelt. In der Regel findet man hier nur Pulver und Dekokte vor – auch dann wenn die Rezepte Minerale enthalten, welche auf diese Art vom Körper nicht wirklich absorbiert werden können und bestenfalls nur einen kurzfristigen oder oberflächlichen Effekt zeitigen.
Die Rezepte selbst sind zweifellos äußerst wertvoll, wirksam und basieren durchwegs auf echtem Naturwissen und Signaturenkunde. Minerale, Metalle, Horn u. dgl. werden aber in der heute üblichen Verabreichungsform nicht kunstvoll erschlossen. Paracelsus würde dazu auf seine Art sagen: „Sie gehen wirkungslos durch den A ...“, und wenngleich hier "wirkungslos" sicherlich ein wenig überzeichnet ist, so hätten doch die "Alten" im fernen Asien schönere Präparate bewerkstelligt.
So zeichnet sich also im Vergleich der Traditionen eine starke Entfernung von den Blütezeiten dieser Medizinsysteme besonders in der Arzneimittelzubereitung der heutigen "chinesischen Medizin" ab. Diesen Blütezeiten noch viel näher steht heute die tibetische Medizin. Dort ist die alchymistische Präparation von Mineralen und Metallen üblich und zum Teil noch als hohe Kunst lebendig.
Die vier medizinischen Tantras, welche bis heute die Grundlage der tibetischen Heilkunst bilden, entstammen ursprünglich dem vedischen Kulturkreis. Sie sollen, der allgemeinen tibetischen Legende nach, von Gautama Buddha dargelegt worden sein, danach an Jivaka weitergegeben und weiter von Lehrer zu Schüler, bis sie im achten Jahrhundert von Candrananda und Vairocana ins Tibetische übersetzt wurden. Hier werden in 134 Kapiteln die Prinzipien des Körpers, die drei "Säfte", das Wesen der Krankheit, Befundungs- und Behandlungsmethoden, Verletzungen, chirurgische Instrumente und vieles mehr erklärt. Im dritten Tantra, welches insgesamt 92 Kapitel umfaßt, beschäftigt sich ein Kapitel detailliert mit alchymistischen Arbeiten wie der Herstellung von Essenzen und Elixiren, mineralischen und metallischen Zubereitungsarten und den "Verjüngungsmitteln".

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