Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Signaturen des Ätherelements

Jupiter schreibt sich in der Pflanzenwelt mit Fülle, Reichtum, Ordnung und Aus-geglichenheit ein. Er signiert weithin ausladende Formen und hohen Wuchs. Seine (oder die von ihm mitsignierten) Pflanzen erfüllen den Raum auf markante Weise, entweder durch zahlreiches (jedoch nicht unüberschaubar massenweises) Auftreten (Ochsenzunge, Ampfer, Beinwell, Löwenzahn), oder durch die weithin beeindruckende Anwesenheit der einzelnen Pflanze (Königskerze, Eiche). Er „schreibt“ mit in der Sattheit des Grüns, welches ansonsten der Venus zugeordnet wird, als Grundton der Pflanzenwelt, in der Weite der Landschaft. Er läßt die Heidelbeere sich ausbreiten und gestaltet die Blätter seiner Pflanzen derart, daß trotz Blattreichtum die Strahlen der Sonne bis zum Boden durchdringen können. So etwa bleibt es weitestgehend hell unter dem Eichenbaum, wodurch viele kleine Sprößlinge und andere Pflanzen gedeihen können.
In den Pflanzen dominiert Jupiter im allgemeinen die Frucht. Darin signiert er verschiedene Aspekte: zum einen Größe und Fülle, wie etwa bei Kürbissen, Quitten, Auberginen, Äpfeln und anderen Obstsorten. Jupiter-Kraft äußert sich aber auch im Reichtum an nützlichen Inhaltsstoffen. Er vermittelt den Früchten ihre Süße, indem er das Erdelement der Pflanzen kontrolliert. Er veranlaßt ihren Ölgehalt, indem er das (im merkurialen Stoffwechselbereich der Blätter gebildete) Öl den Samen und Früchten vermittelt.

Jupiter drängt sich nicht auf, beeindruckt aber doch durch seine Präsenz. Er kann Extreme verbinden oder ausgleichen, verfällt aber selbst in keines. In seinen Pflanzen ist die Complexion (warm/trocken, kalt/feucht) weitestgehend harmonisch. Für ihren Standort bevorzugt er ausgeglichene und anmutige Plätze, wenngleich er auch Extremlagen mit seinem Pflanzenreichtum zu beschenken vermag (Enzian, Zinnkraut).

Jupiter signiert vor allem die mehrjährigen Pflanzen und davon besonders die Korbblütler, hat aber auch an vielen Rachenblütlern seinen Anteil. Seine Einschreibekraft ist bedeutend in den Nutz- und Nährpflanzen, etwa in den Obstbäumen, im Weinstock, in Edelkastanie und Dattelpalme sowie in verschiedenen Getreidearten (Hafer, Gerste) und Rübensorten, im Haselstrauch, in der Färberröte (Krapp) und in vielen großen Heilpflanzen (Mastixbaum, Myrobalanen, Eibisch, Speiknarde, Sauerdorn, Tausendgüldenkraut und Wegwarte).
Voller, angenehmer Duft zeichnet ihn als mitsignierend in manchen Blüten (Lilie, Rose, Jasmin, Veilchen), im Sandel- und Zedernholz sowie in Gewürzen (Nelke, Lorbeer, Wacholder, Dost, Anis, Raute und Kerbel) aus.

Odermenning

Er läßt die Blütenstände der Bodenkriecher aufrecht stehen (bei Ehrenpreis, Gundelrebe und Bärlapp) und signiert die von unten nach oben blühenden Blütenreihen und langgestreckten Ähren oder Scheinähren wie bei Ehrenpreis, Eibisch, Königskerze und Odermennig (Bild).
Mit Blütenreichtum beschenkt er Borretsch, Rittersporn, Fingerhut, Eisenhut und Obstbäume. Letztere haben (wie die Kastanien) von ihm ihre Fruchtfülle, genauso wie die beerentragenden Pflanzen, Heidel-, Stachel- und Himbeer-sträucher, Sauerdorn, Lorbeer- und Wacholderbüsche. Die Früchte wiederum haben von ihm Samenfülle und heilkräftiges oder nährendes Fruchtfleisch (Melonen, Kürbisse, Oliven, Granatäpfel).

Die direkte Anwesenheit jovialer Einschreibekraft ist am herben, sauren oder zusammenziehend Geschmack erkennbar (Quitte, Ampfer, Sauerdorn, Ribisel, Amalaki). Da im Pflanzenreich stets vermischte Signaturen auftreten, können auch anders schmeckende Pflanzen durchaus jovialen Charakter besitzen. Wo das Bittere überwiegt, neigt sich der Elementekönig schon stark dem Feuerelement zu. Manche Kräuterkundige ordnen etwa das Tausendgüldenkraut in die Reihe der Sonnen-Pflanzen, andere wieder belassen es noch beim Jupiter. Die, den Planeten- und Elementarkräften entsprechenden Geschmäcker werden wir im Weiteren noch besprechen und wollen hier deshalb nicht zu sehr vorausgreifen. Das trifft auch auf die anderen Signaturen zu. So sind etwa oft feuer- oder erdsignierte Pflanzen mit jovialen Aspekten verbunden. Hier fehlt der saure Geschmack manchmal ganz, und Bitterkeit oder Süße treten in den Vordergrund (Nüsse, Datteln, Feigen, Fenchel, Anis, Getreide). Hier stammt die eine oder andere Qualität von Jupiter, wie etwa Frucht- und Samenreichtum oder imposante Erscheinung, während ansonsten Sonne, Mars oder Saturn dominieren.
Zusammen mit Saturn „zeichnet“ Jupiter die himmelblauen Blüten der Wegwarte. Hier ist er durch die Farbe signiert, zum Teil auch durch die stattliche Erscheinung der Pflanze selbst. Ähnlich signiert er die Farben der Borretschblüten, sowie die Blütenfülle am Kraut und deren ständiges, bis in den Winter (Saturn) hineinreichendes Erneuern. Blütenfülle und harmonisches Wachstum des Rosenstrauches sind von Jupiter mitsigniert. Dort setzt sich seine Beteiligung fort bis in den Winter, wo er selbst dann noch (unter saturnischen Bedingungen) Fruchtreichtum (Hagebutten) gewährt. Dieses Blühen (Borretsch) oder Fruchten (Rose) im Schnee bedeutet dem Menschen, daß solche Pflanzen ihm bis ins hohe Alter besonders hilfreich sein können. Jupiter und Saturn, Äther und Erde, sind durch mancherlei Beziehung miteinander verbunden, was sich des öfteren in den Signaturen der Pflanzenwelt ausdrückt.
Aber nicht nur ins saturnische, sondern auch ins venerische Erdelement wirkt Jupiter hinein (Rosensträucher und andere Rosengewächse wären ja schon ein typisches Beispiel dafür). Dieser Differenzierung des Erdelements wollen wir uns an seiner Stelle widmen. Vorweg sei gesagt, daß das trockene, erstarrte, unmittelbar aus dem Feuerelement geborene Erdelement als saturnisch begriffen wird, während von seinem venerischen Aspekt dann die Rede ist, wenn bereits eine Verbindung mit dem Wasserelement stattgefunden hat. Stehen beim ersten noch Härte, Kargheit und Reduktion im Vordergrund, dann hat der zweite Aspekt bereits einen „weicheren“, harmonischeren und in gewisser Weise fruchtbaren Charakter. Dem ersten entspricht in der Alchymie das schwere, graue Blei; in der Pflanzenwelt Zinnkraut und Nadelbäume. Dem anderen entspricht das Kupfer, sowie Rosengewächse und süße Obstsorten.
Eine Pflanze, die von beiden Aspekten des Erdelements besonders geprägt und zugleich auch noch von Jupiter mitsigniert ist, ist die Schafgarbe.

Dieser großen Heilpflanze werden wir später noch einmal bei den typisch venerischen Signaturen begegnen, wo eigentlich ihr Platz ist. Andere ordnen sie dem Mars zu, wohl wegen der Zähigkeit ihrer Stengel, doch scheint uns dieser Aspekt zu wenig bedeutsam, um sie direkt dem heißen Planeten zu geben, dem andere Kräuter weit mehr zustehen. Unübersehbar ist aber ihre joviale Art (mit-) signiert im Reichtum ihres Auftretens, im geraden Wuchs, in der Fülle der Blüte und in anderem mehr.

Schafgarbe

Ihre Geschmackswirkung ist bitter, zusammenziehend und „hintergründig“ scharf. Die Bitterkeit stammt mehr vom Feuer als vom Saturn, die Schärfe zeigt eine („hintergründige“) Mit-Signatur des Mars an und bedeutet darüberhinaus, daß sich die Wirkung dieser Pflanze ins Luftelement hinein erstreckt. Die zusammenziehende Geschmackssignatur ist typisch jovial, hat hier aber nicht jene Dominanz, wie in den typisch sauren Pflanzen (obwohl auch die Schafgarbe einige Säuren, wie Essigsäure, Apfelsäure und andere in kleinsten Mengen enthält).
Der herb-süße Duft kündet von der Anwesenheit Jupiters im venerischen Erdelement. Genauso die Fülle der venerischen, weißen bis rosafarbenen Blüten. Die meisten Korbblütler besitzen einen mehr oder weniger ausgeprägten jovialen Charakter – hier (bei der Schafgarbe) kommt in den Blüten ein deutlich venerischer Aspekt hinzu.
Saturn signiert (unter anderem) die reduzierte Blattform und den leichten Grauton im Grün des Krautes.

Diese Konstellation der Einschreibekräfte, und nicht zuletzt eine gewisse Tendenz der Schafgarbe wesenhaft in das Merkuriale hineinzureichen, verleihen ihr auch die Fähigkeit, unter kargen Bedingungen zu wachsen, „Neuland“ zu erkunden. Sie zählt zu den „Pionierpflanzen“, und durch sie dringt venerische Weichheit, Harmonie und Lebendigkeit in die trockenen, abweisenden, spärlich bewachsenen Zonen vor. Auf den felsigen Klippen der Ägäis wachsen kräftige Schafgarben-Arten genauso wie in hohen Gebirgsregionen. Diese Eigenart gründet in der Verbindung von Jupiter-Kraft und Erdwirksamkeit, fördert (venerisch-)befeuchtendes Einhüllen mineralhafter Strenge und führt überdies zu merkurialem Gestalten des (saturnischen) Erdkörpers und zu dessen Öffnen in die Pflanzenwelt.

Haben wir zuerst zwei Aspekte des Erdelements erwähnt, den saturnischen und den venerischen, so sollen an dieser Stelle auch die zwei wesentlichsten Positionen Saturns angemerkt sein, deren eine das Thema des Ätherelements weit direkter betrifft, als die andere. Zum einen gilt er als jener Planet, welcher der Position des Erdelements (in der pentagrammatischen Darstellung der Elemente) zugeordnet wird. Er nimmt aber auch eine bedeutende Position im „Schnittpunkt der Acht“, gewissermaßen „im Hintergrund“ des Äthers, an der Grenze des Elementaren zum Feinstofflichen ein – ein Bild dem wir uns schon verschiedentlich genähert haben.
Aus dieser Position schreibt nun Saturn in die Schafgarbe ein, und das, was vom eigentlichen Erdelement in ihr wirkt, ist überwiegend venerisch. Diese Pflan-ze wirkt keineswegs im groben Sinne „saturnisch“, also hemmend oder behindernd – im Gegenteil: sie hilft, Barrieren und Blockaden zu überwinden, was sich nicht zuletzt in ihrer besonderen Leberbezogenheit erweist. Man erkennt aber die Saturn-Kraft darin, daß sie „reduziert“ – nämlich das, was nicht der Harmonie dient, sei es in Bezug auf die Gewebe, auf die Säfte oder auf die Energien des Körpers.

Blüte

Das zeigt sie dem Betrachter dadurch, daß dort, wo die wesentliche Wirkkraft dieser Pflanze enthalten ist, nämlich in der Blüte (Bild), die Einschreibekräfte von Venus (Harmonie) und Jupiter (Fülle) überwiegen, während die anderen Pflanzenteile reduziert gestaltet sind.
Wiederum steht die Saturn-Kraft in der Gestaltung der Blätter nicht alleine. Zwar reduziert der alte Griesgram überaus auffallend deren Form und läßt keine saftige Fülle, kein sattes Grün gelten, doch mindestens ebenso auffallend ist die Zartheit und Weichheit der „Blattfedern“, welche ihnen Venus mitteilt. Dazu kommt auch hier wieder ein jovialer Aspekt, haben doch die Blätter eine „ausladende“, etwas überspitzt ausgedrückt: eine würdevolle Art und schmücken maßvoll die gesamte Höhe des Stammes.

Dies fällt besonders im Frühling auf, zu jener Jahreszeit in der das Ätherelement die Natur am stärksten beeinflußt. In kurzer Zeit sprießen die gefiederten Blätter büschelweise aus der Erde und wachsen zu relativ hohen, ausladenden Blatt-Fontänen heran. Auch die nachfolgenden Stengel sind noch sehr weich und ohne Zähigkeit und Bitterkeit. Hier ist Jupiter zusammen mit Venus signiert, während Saturn (abgesehen von der Blattform), oder gar Mars noch weit hinten bleiben.

Wenn die kalte Jahreszeit beginnt, erhält Saturn endgültig die Herrschaft über diese Pflanze, wird dabei aber immer noch begleitet von Jupiter. Nur die feinen weißen oder rosaroten Blütenblätter „welken“, ansonsten gleicht das Sterben der Schafgarbe eher einem Trocknen. Die dürren Stämme bleiben den Winter über aufrecht stehen, sofern nicht der schwere Schnee sie knickt. Auch die „Krone“ währt bis ins nächste Jahr. Wie Antennen scheinen die Stengel das Einfließen des Ätherwindes, des Frühlings zu erwarten, um dann trotz ihrer Trockenheit die ersten Sonnenfunken zu empfangen und wiederum mit jovialen Blattfontänen die Überwindung der saturnischen Schwelle im „Schnittpunkt der Acht“ zu feiern.
Dergleichen Betrachtungen (und wohl auch noch weit tiefgreifendere) mögen die Kundigen im alten China dazu veranlaßt haben, zum Legen des Orakels (Yi-jing) die Stengel der Schafgarben zu verwenden. In anderen Regionen liebten es die Kräuterkundigen, diese Pflanze in ihr Hutband zu stecken, und der Rauch ihrer (getrockneten) Blüten soll den „Weitblick“ schärfen.

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