Elementegenese, Signaturenkunde, Hermetik

Textauszüge aus "Der Weg des Sonnenfunkens".
Das Satz-Bild konnte in den folgenden Auszügen nicht immer original übernommen werden. Bilder und Symbole wurden z.T. ausgelassen.

Die Wind-Hülle

Das Ayurveda nennt fünf Arten des Windes (Vayu), als typische Aktivitäten des Vata-Doshas im Körper und in den „natürlichen Dingen“:

1. Prana – ist für das Atmen und das Schlucken der Nahrung zuständig. Dieser Wind wohnt im Herzen und zentriert dort alle Bewegungen nach innen. Als solches entspricht er jener Kraft, welche die Herzwahrnehmung bewirkt. Sein Gegenpol ist der nach außen hin zerstreuende Vyana (der dann als fünfter Wind genannt wird). Auch dieser wohnt im Herzen, verteilt sich aber durch den ganzen Körper, sendet gewissermaßen ein Echo der wahrgenommenen Eindrücke, von der Strahlung des Herzfeuers getragen, aus. In diesen beiden Winden ist die jeweilige merkuriale yang- und yin-Tendenz wirksam, die verdichtende (Prana) und lösende (Vyana) Art.
Die verdichtende Qualität von Prana wurde in der „Vorzeit“ manchen Yogis und Siddhas zum Verhängnis, welche versuchten, mittels besonderer Atemtechniken (Pranayamas, wörtlich: Atemtod) übernatürliche Kräfte zu erlangen. Ihr Ätherleib wurde dadurch dermaßen fixiert, daß sie nach dem Verfall ihres stofflichen Körpers die Schwelle zum Jenseits nicht überschreiten konnten und, wie berichtet wird, jahrtausendelang „im Zwischenreich festhingen“. Der feinstoffliche Prana-Körper wird dabei zur „diamantenen“ Hülle. Prana wird mit der Luft aufgenommen, wenn man durch die Nase einatmet. Während der Ausatmung gelangt er „durch sich selbst“ in die verschiedenen Regionen des Körpers, wobei er die aus dem grob- und feinstofflichen Umfeld mitgebrachten Informationen in ihnen verankert.
Von „seinen besonderen Orten“ in Hirn und Herz wirkt er auf die Sinnesorgane, auf das Gemüt und den Verstand. Er läßt Blutgefäße und Nerven korrekt arbeiten.

Prana ist der subtilste Wind, von überwiegend ätherischer Art und wird von Trockenheit und Dynamik des Feuerelementes, nicht aber durch dessen Hitze beeindruckt. Man nennt ihn den „intelligentesten“ aller Winde. In der äußeren Natur kommt er zusammen mit dem Sauerstoff, insbesondere mit dem Ozon vor und begleitet die Verstofflichungsprozesse. Dabei ist er sehr abhängig vom Zustand der Natur, vor allem von der Gesundheit der Wälder. Auf den Schwingen dieses Windes manifestiert sich der energetische und feinstoffliche Zustand der Umwelt in die grobstoffliche Substanz hinein. Als Teil des, den ganzen Erdball umschließenden, elastischen Luftkörpers, nimmt Prana zum Beispiel die regionale Zerstörung großer Wälder wahr und bewirkt dadurch eine entsprechende Veränderung der gesamten Lufthülle. Durch ihn und Vyana erreichen die Eindrücke regionalen Geschehens jedes Lebewesen auf der Erde, woraus unter anderem weiteres Baumleiden und -sterben erfolgt. Viele „Herz- und Hirn-Themen“ der Menschen werden in diesem Zusammenhang verständlich.
Prana-Störungen werden besonders mit nasalen Verabreichungen behandelt (skr: nasya), wie Inhalationen, Räucherungen und das Einziehen von Substanzen und Lösungen durch die Nase (Koniferenprodukte, Harze, Minzen, Baldrianblätter und andere).

2. Udana – („die aufsteigende Luft“) ist für Stimme, Sprache und alle „auf-steigenden Tendenzen“ zuständig. Da das Luftelement, im Gegensatz zum Äther, absteigende und zerteilende Kraft besitzt, ist die Äußerung der auf-steigenden Kraft dieses Windes stets beschränkt. Deshalb sagt man auch: Udana bewegt auf und ab. Er bewegt rhythmisch im Spannungsfeld beider Elemente, vor allem angezogen vom ätherischen Raum, aber auch wieder zurückschwingend, wegen der Erdhaftung des Luftkörpers (beziehungsweise wegen der Kontrollfunktion des Feuerelements).
Sein Hauptsitz im Körper ist der Kehlkopf. Von da steigt er in den Nacken, dann in die Nase und hinunter in die Nabelregion. Er gewährt den rhythmischen Systemen Stabilität und stärkt und bewahrt Körper, Gemüt und Intellekt. Er entpricht am meisten dem typisch merkurialen Aspekt der Kommunikation, jenem Bild des „Merkur als Götterboten“, als Vermittler zwischen Oberem und Unterem. Dabei erreicht er aber weder die Ätherweite noch die Punktfixiertheit von Prana. Seine Frequenz ist gewissermaßen niedriger als die des ersten Windes. Er ist von etwas grobstofflicherer Art als Prana und (anders als dieser) den physischen Sinnen schon deutlicher erfahrbar. Seine Aktivität im Körper wird (wie die von Prana) durch Ansammlung von „Schleim“ jeglicher Art behindert.

Udana entspricht auch dem Wind der Natur, als eine Äußerung des Licht-Schatten-Effektes durch die erste (elementare) Polarität Feuer-Erde. Er weht durch die Landschaft, die Eindrücke aller Orte und Ereignisse die er berührt, aufnehmend und weitertragend. Diese Eigenschaft besitzt auch Prana, nur subtiler und weiter ins Feinstoffliche hineinreichend. Udana führt mit sich die Kühle der Seen und Gletscher, die Hitze der Wüsten und südlichen Täler, den Duft der Blüten, den Staub der Minerale und all die Klänge und Schwingungen des Raumes.

3. Samana – („das, was kreisförmig bewegt“) hilft bei Verdauung und Trans-port der Nährstoffe. Er extrahiert das dem Körper Nützliche aus dem Nahrungsbrei und befördert den Rest zum Dickdarm. Sein Wirken ist von noch „gröberer“ Art als das Udanas. Er steht dem Feuerelement nahe, was sich etwa darin äußert, daß er die (feurige) Wirkkraft der Enzyme unterstützt.
Er wohnt hauptsächlich im Dünndarm, aber auch im Magen, in den Eingeweiden und in der Region des Nabels. Er hilft dem Ätherelement seine kontrollierende Funktion bezüglich des Erdelements zu erfüllen, indem er die Bewegung der Stoffe „in der Tiefe des Körpers“ bewirkt.
Durch diesen Wind geschehen sowohl die großen Veränderungen und Verwandlungen im Erdinneren als auch die kleinen, etwa im Kompost des Gärtners. Wegen des zumeist dichten Zustandes seines Wirkfeldes benötigt er einen hohen Anteil an Ätherkraft. Seine „Äthernähe“ bezieht sich (im Gegensatz zu Udana) auf den gesamten Äther, was ihm große Durch-dringekraft verleiht.
Spiralig, wendelig, sich aus dem Erdkörper herausschraubend, führt er die Idee der Pflanze zur Gestaltwerdung. In diesem Sinne ist er auch ein Träger der Gestaltungskräfte. Zusammen mit Vyana bewirkt er die Lockerung des Dichten, das Öffnen saturnischer Materie. Er ist jenem „Merkur“ vergleichbar, der bei der Gärung aus dem Pflanzenkörper geboren wird. Er ist anwesend bei Reifung, Gärung, Faulung und Verwitterung. Er besitzt einen hohen Grad an Trockenheit und wird am wenigsten von Feuchte beeindruckt.

4. Apana – („der nach unten fließende Atem“) bewegt abwärts, eliminiert Stuhl, Urin, Samen und Menstruationsblut, hält den Fötus im Mutterleib und drückt bei der Geburt nach unten. Er wohnt im Darm und in den Beckenorganen. Er hat als einziger Wind wesentlichen Anteil am Mondenhaften, weit mehr aber noch am lunaren Äther und ist von sehr kaltem Wesen. Apana wird am leichtesten von Feuchtigkeit, beziehungsweise vom Prinzip „Schleim“ beeindruckt.

Sein Weg wird durch Verdichtungen und Geschwülste behindert. Es fehlt ihm aber an eigener Schärfe, um von sich aus solche Blockaden zu zerteilen und zu beseitigen. Deshalb unterstützt man seine Wirkkraft durch solche Substanzen, in denen die Feuersignaturen dominieren und die noch dazu eine deutliche Erdnähe aufweisen, wie etwa Myrrhe oder Aloe.
Wenn man schwere Dinge, Erde oder Wasser in die Höhe wirft, dann kehren sie wieder zu ihrem Ursprung zurück. Sie werden dabei durch Apana bewegt.
Apana wirkt in der Synkope des Luftelements und verursacht dessen Elastizität. Er ist schwerer und gröber als die anderen Winde. Er verursacht die gegenseitige Anziehung von Massen und Körpern, den Magnetismus und die Symphatie und die ansaugende Kraft der Sonne auf die Planeten und deren Lebenskeime. Damit ist er auch maßgeblich beteiligt am einschreibenden Formen der kosmischen Kräfte, an Gestaltbildung und Signatur.
Durch seine Nähe zum Wasserelement und seine Beeindruckbarkeit von diesem, erhält er (von Venus) den „Sinn“ für harmonische Proportion. Anders ausgedrückt: er bedient sich als gestaltende Kraft jener venerischen Eigenart. Dazu richtet er die Gestaltung solchermaßen ein, daß jedes „Ding“ zu seiner Zeit der Verwesung anheim fällt. Ohne Mitwirken von Venus würde Merkur das Gestalten, wie wir es kennen, nicht zustande bringen. Als „Gegenleistung“ trägt er dazu bei, das „venerische Wasser“ mit dem „mondenhaften Wasser“ zu verbinden (vergleichbar jenem Aspekt Merkurs, der als Grundkraft hinter dem gesamten Wasserelement steht).

5. Vyana – („das, was im ganzen Körper verteilt ist“) sorgt für die Funktion der Zirkulationskanäle (etwa der Blutgefäße und Energiebahnen) und befördert die nährenden Säfte durch den Körper. Er ist verantwortlich für die Beweglichkeit der Gelenke und der Muskulatur. Er öffnet und schließt die Augenlider und die Poren und ermöglicht das Schwitzen. Er wohnt als zweiter Wind zusammen mit Prana im Herzen, von wo er nach außen treibt. In der Haut ist er besonders aktiv.
Er ist besonders beeindruckbar vom Feuerelement, vor allem von Mars, welcher ihm eine gewisse Schärfe verleiht. Er ist eine Äußerung der zerteilenden, zerstreuenden Kraft des Luftelements.
Er ähnelt Samana in seiner Durchdringekraft, ist dabei allerdings subtiler als dieser. Er ist anwesend in Synkope und Wandlung. Er hilft Samana den Öffnungsprozeß der Materie zu vervollkommnen und die stofflichen Ausdrucksformen in den Raum „hinauszubringen“. Sobald der Pflanzensproß die Erdoberfläche durchbricht – von Samana in die Gestaltwerdung geführt – wird er von Vyana erfaßt, das heißt: er tut sich der Umwelt kund, äußert sich weitestgehen „nach außen hin“. So läßt Vyana die Erscheinungsform alleine durch ihr Sein schon wirken.

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